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Übersicht Wahlpflichtgegenstände
Pflichtgegenstand Evangelischer Religionsunterricht
Allgemeiner Teil des Lehrplans
Die schulstufenübergreifende Führung des Wahlpflichtfaches
Religion ist zulässig.
Das Wahlpflichtfach evangelische Religion übernimmt die Bildungs-
und Lernziele des Pflichtfaches evangelischer Religionsunterricht
und dient dem Schüler zur Vertiefung, zu einem erweiterten Einblick
in das Denken der evangelischen Theologie, zur Einführung in
wissenschaftliches Arbeiten und bietet die Möglichkeit, erlerntes
Wissen zu erproben.
Aus den folgenden Themenbereichen können die Schüler gemeinsam mit
dem Lehrer Schwerpunkte für jeweils ein Unterrichtsjahr auswählen,
wobei Bedacht darauf zu nehmen ist, daß bei einem zweijährigen
Lehrgang im Wahlpflichtfach evangelische Religion eine
weiterführende Themenauswahl getroffen werden soll. Die in der
Schule üblichen Arbeits- und Lernformen sollen nach Möglichkeit zur
Gänze ausgeschöpft werden.
Die unter den Buchstaben angeführten Themen können sowohl als
Teilaspekte des Gesamtthemas wie auch als Einzelthemen bearbeitet
werden.
Themenbereich 1: Der Begriff Religion
1. Religion als Teil der Anthropologie
a) Der Mensch als religiöses Wesen
b) Der Mensch als Mitglied in Religionsgemeinschaften
2. Religion als Teil der Gesellschaftstheorie
a) Die Verbindung von Thron und Altar
b) Religion als Bestandteil der Gesellschaftskritik (Theologie
der Befreiung, Ansprüche von Minderheiten, Religion als
Anspruch einer ,,perfekten'' Gesellschaft)
3. Die Religionskritik des 19. Jahrhunderts und ihre Folgen
4. Religionsgemeinschaften und ihre Strukturen
5. Religiöse Formen der Jugendkultur
a) Ersatzreligionen und ihre Heilszusagen
6. Religiöse Sondergemeinschaften und ihr Anspruch auf die
ganzheitliche Struktur des Menschen
7. Christentum und Religion: Die Debatte um das religionslose
Christentum
8. Die christlichen Konfessionen und christliche Kirchen
9. Die Ökumene unter den christlichen Kirchen, ihr Stand und die
zukünftigen Entwicklungen
10. Die Ökumene unter den Abrahams-Religionen
11. Die Weltreligionen im Überblick
12. Feste und Feiern von Religionen
Themenbereich 2: Grundbegriffe der evangelischen Theologie
1. Die Rechtfertigungslehre
a) Die Gerechtmachung des Gottlosen
b) Die Freiheit eines Christen im anthropologischen und
gesellschaftlichen Bereich
c) Widerstandsrecht und Widerstandspflicht
d) Normen, Werte und Moral als Begriffe der evangelischen
Systematik
e) Die verschiedenen Erklärungen der Menschenrechte
2. Der freie Wille
a) Die theologische Definition des Begriffes des freien Willens
b) Die philosophische Definition des Begriffes freier Wille
c) Freier Wille und Demokratie
3. Christ und Staatsbürger
a) Die Bedeutung der Parteien
b) Die Verantwortung des Christen für seine Lebenswelt
4. Eschatologie
a) Leiden, Sterben und Tod als religiöse Fragen
b) Leiden, Sterben und Tod als gesellschaftliche Fragen
c) Die Lehre von den letzten Dingen
d) Weiterleben, Reinkarnation und Auferstehung
5. Kursorische Lektüre von wichtigen Stellen des Alten und Neuen
Testamentes unter dem Stichwort:
a) Prophetie
b) Nachfolge
c) Verantwortung des Christen für Schöpfung und Umwelt
6. Lektüre eines alt- oder neutestamentlichen Buches
7. Die Bibel und die Literatur
a) Religiöse Literatur
b) Literatur in Bezug auf die Bibel
c) Christliche Trivialliteratur
8. Die Bibel und die Kunst
a) Die religiöse Kunst
b) Kunst als Ausdruck des religiösen Empfindens
c) Bibel und Kunst im Dialog
9. Das Problem der theologischen Sprache
a) Die Begriffe der biblischen Sprache
b) Theologische Sprache und Alltagssprache
c) Die Bedeutung der Sprache in den Medien
d) Die religiöse Bildsprache bzw. die Präsentation der Kirche
in den Medien
Themenbereich 3: Religiöse Erziehung
1. Der Begriff der Identität des Menschen
a) Die religiöse Identität eines Menschen
b) Identität als Ergebnis eigener Leistung?
c) Identität als Geschenk
2. Religiöse Kindererziehung
a) Analyse von religiöser Jugendliteratur
b) Feste, Sitten und Bräuche als funktionale christliche
Erziehungsmittel
c) Ansprüche an die christliche Erziehung: Glaube - Befreiung
oder Disziplinierung?
3. Christliche Erziehung als Dialog zwischen den Generationen
a) Was gibt eine Generation der nächsten als christliche
Lebensformen mit?
b) Schlagworte christlicher Erziehung in verschiedenen
kirchengeschichtlichen Epochen
4. Der Dialog zwischen christlicher Erziehung und
gesellschaftlicher Erziehung
a) Christliche Erziehung in Elternhaus und Kirche
b) Christliche Erziehung in einer säkularen Schule
c) Arbeit als geheimer Erzieher und das christliche
Menschenbild
Themenbereich 4: Theologie und Philosophie
1. Das theologische Denken und seine Strukturen
a) Gott, Götter, Götzen
b) Jesus der Christus: König, Priester und Prophet: Erlöser
c) Die Lehre vom Heiligen Geist: Gemeinschaft, Gemeinde
d) Zuspruch und Hoffnung für den Menschen
2. Das jüdische Denken an Beispielen des Alten Testamentes
3. Das griechische Denken in Verbindung mit den Briefen des
Apostels Paulus
a) Scholastik, Reformation und Aufklärung
b) Gegenwärtige Gesellschaftstheologien
4. Die Methoden der biblischen Auslegung in ihrer Geschichte
a) Das 19. Jahrhundert
b) Das 20. Jahrhundert
5. Der Dialog zwischen Theologie und Philosophie
a) Die Theologie der Hoffung und das Prinzip Hoffnung
b) Gesellschaftliche Protestbewegungen und die Theologie der
Befreiung
Themenbereich 5: Religionen im Vergleich
1. Der Stand der Bibelwissenschaften und der biblischen
Archäologie
2. Antike Kulturen und antike Religionen
a) Der Zusammenhang von Land, Kultur und Religion
b) Der Export von religiösen Vorstellungen in andere Länder
c) Kampf der Götter als Kampf der Länder
d) Der Unterschied zwischen Stadt- und Landreligion
e) Götter und Göttinnen
3. Die Entwicklung der Bibelwissenschaften und ihr gegenwärtiger
Stand
a) Textüberlieferung
b) Textkritik
c) Formen der Auslegung
4. Biblische Schriften und ihre konkreten kulturellen und
gesellschaftlichen Hintergründe
5. Die Entwicklungen der christlichen Lehre
a) Die ökumenischen Konzilien
b) Die orthodoxe Lehrentwicklung
c) Die katholische Lehrentwicklung
6. Die Bekenntnisschriften der Evangelischen Kirche und ihre
historische Entstehungszeit
a) Die reformatorische und nachreformatorische Zeit
b) Der Pietismus
c) Das industrielle Zeitalter
Themenbereich 6: Christ und Welt
1. Der Zusammenhang von Kirche und Gesellschaft
a) Kirche als Teil der Gesellschaft
b) Kirche als Kritik an Gesellschaft
2. Die Wissenschaft als Gesprächspartner für Christentum und
Kirche
a) Der instrumentelle Charakter der Wissenschaft
b) Der lebenserweiternde Aspekt der Wissenschaft
c) Wissenschaft als verantwortete Utopie einer zukünftigen Welt
d) Die Zusammenhänge von wissenschaftlicher und theologischer
Erkenntnis
3. Die konziliaren Bewegungen der Kirche
a) Die Mystiker des Mittelalters
b) Die Missionsbewegungen der Kirche und deren heutige Gestalt
c) Der konziliare Prozeß für Friede, Gerechtigkeit und
Bewahrung der Schöpfung
d) Die Struktur der Kirche als ,,Gemeinde von unten''
4. Die Welt als Schöpfung Gottes
a) Schöpfung, Umwelt und Ökologie
b) Der Mensch als Teil der Natur
c) Das Problem der Arbeit als Erhaltung oder Vernichtung der
Schöpfung
d) Das Problem der Universalität als Aufgabe der Nachfolge
Christi
Themenbereich 7: Christentum im Nachbarschaftsbereich
1. Die Besonderheiten der lokalen Kirchengeschichte
2. Die Besonderheiten von Pfarrgemeinden, ihrer Ämter und ihrer
Strukturen
3. Die Lebensformen der christlichen Gemeinden, ihre Gottesdienste
und die Möglichkeiten einer Mitgestaltung für
Schülergottesdienste
4. Besondere diakonische Aufgabenbereiche
cc) FREIGEGENSTAND MIT ENTSPRECHENDEN ANFORDERUNGEN FÜR BESONDERS
BEGABTE UND INTERESSIERTE SCHÜLER EVANGELISCHE RELIGION
5. bis 8. Klasse (je zwei Wochenstunden):
Der Freigegenstand evangelische Religion verfolgt dieselben
Bildungsziele, Lehraufgaben und Erziehungsziele, die auch für den
Pflichtgegenstand evangelische Religion vorliegen.
Lehr- und Lernstoff:
Der Lehr- und Lernstoff ist entsprechend den besonderen Begabungen
der Schüler und entsprechend den lokalen Gegebenheiten so zu wählen,
daß
a) Themenbereiche bzw. ein Themenbereich des Pflichtgegenstandes
und darüber hinaus
b) Themenbereiche oder ein Themenbereich des
Wahlpflichtgegenstandes ausgewählt werden muß oder daß
c) nur ein Themenbereich aus einem der beiden Lehrplanbereiche
ausgewählt und vertiefend behandelt wird.
Bei der Auswahl und Festlegung des Lehrganges im Rahmen des
Freigegenstandes evangelische Religion ist den Interessen und
Begabungen der Schüler genauso Rechnung zu tragen wie einer
fächerübergreifenden Einbindung des Unterrichtsstoffes. Der
Freigegenstand evangelische Religion ist den gleichen pädagogischen
und didaktischen Grundsätzen verpflichtet wie der Pflichtgegenstand
bzw. das Wahlpflichtfach.
Dies ist ein Service der

Österreichischen Professoren Union