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 Wahlpflichtgegenstand Biologie und Umweltkunde

Biologie und Umweltkunde

Biologie und Umweltkunde  am Realgymnasium mit ergänzendem Unterricht in Biologie und Umweltkunde, Physik sowie Chemie und am Oberstufenrealgymnasium mit ergänzendem Unterricht in Biologie und Umweltkunde, Physik sowie Chemie
Biologie und Umweltkunde  am Realgymnasium mit Darstellender Geometrie, am Wirtschaftskundlichen Realgymnasium und am Oberstufenrealgymnasium mit Darstellender Geometrie

Biologie und Umweltkunde
am Gymnasium und am Oberstufenrealgymnasium mit Instrumentalunterricht oder mit Bildnerischem Gestalten und Werkerziehung

 Allgemeiner Teil des Lehrplans


Bildungs- und Lehraufgabe:

  Der Unterricht in Biologie und Umweltkunde soll zum Erreichen der
folgenden Bildungsziele beitragen, die sowohl fachspezifische als
auch fächerübergreifende Aspekte enthalten:

Die Schüler sollen hingeführt werden
- zur Kenntnis der abiotischen Grundlagen des Lebens
- zu einem Einblick in den heutigen Wissensstand der Biologie und
  Umweltkunde und deren Anwendungsbereiche wie Landwirtschaft,
  Bergbau, Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaften, Biotechnik ua.
- zu einer entwicklungsgeschichtlichen-systematischen Überschau über
  die unbelebte und belebte Natur
- zum Wissen um gesetzliche Regelungen, die die Bereiche der Biologie
  und Umweltkunde betreffen.

Sie sollen die Fähigkeit erwerben
- zu logischem und kritischem Denken anhand
  biologisch-umweltfreundlicher Sachverhalte
- zu exakter Beobachtung,
- zu klarer Begriffsbildung, sinnvoller Fragestellung, sachlicher
  Argumentation sowie auch zur Anwendung allgemeiner Aussagen auf
  konkrete Fragestellungen
- zum Erkennen von Manipulationen
- zum Interpretieren von Informationen sowie zum Auswählen und
  sachgerechten Nutzen von Informationsquellen
- zum Verstehen der wesentlichen Fachausdrücke der Biologie und
  Umweltkunde und zum exakten Ausdruck
- zur einfachen, klaren Darstellung biologisch-umweltkundlicher
  Sachverhalte
- zum Erfassen biologisch-umweltkundlicher Sachverhalte und Probleme
  in ihrer Komplexität und ihrer Verknüpfung mit anderen
  Sachbereichen;

Ferner am Realgymnasium:
- an neue Probleme in empirisch-induktiver Weise heranzugehen.

Sie sollen (am Realgymnasium) die Fertigkeit erwerben
- einige in der Biologie und Umweltkunde gebräuchliche
  Arbeitstechniken praktisch zu beherrschen.

Sie sollen die Einsicht gewinnen,
- daß die Möglichkeiten, die Natur zu nutzen, begrenzt sind
- daß Eingriffe in biologisch-ökologische Systeme nur nach
  verantwortungsvoller Prüfung aus ökologischer, humanbiologischer
  und sozialer Sicht erfolgen dürfen
- daß sie zu einer gesunden Lebensführung nicht nur gegenüber sich
  selbst, sondern auch gegenüber anderen und der Gesellschaft
  verpflichtet sind.

Sie sollen zu folgenden Werthaltungen gelangen:
- Achtung vor dem Leben
- Anerkennung des Menschen in seiner Individualität
- Verantwortungsbewußtsein gegenüber Mitwelt, Umwelt und Nachwelt;

  Der Unterricht in Biologie und Umweltkunde soll die Schüler dazu
hinführen, die gewonnenen Kenntnisse und Einsichten zu einem
biologischen Weltbild auszubauen. Dadurch sollen sie zu einem
vertieften Naturerlebnis, zu einer persönlichen Werthaltung und zu
einer Sinnfindung geführt werden.

Lehrstoff:

5. Klasse (2 Wochenstunden):

1. DAS KOSMISCHE BEDINGUNGSFELD

Lernziele:

  Einblick in das Beziehungsgefüge Kosmos/Erde und Erkennen der
vernetzten Abhängigkeiten, die das Leben auf der Erde ermöglichen
bzw. beeinflussen.

Lerninhalte:

  Galaxien, Sonnensystem. Überblick über unser Sonnensystem und die
Planeten. Einflüsse von Sonne und Mond auf die Erde und die
Lebewesen. Atmosphäre, Hydrosphäre.

Querverbindungen:

  Geographie und Wirtschaftskunde.

2. DAS GEOLOGISCHE BEDINGUNGSFELD

Lernziele:

  Wissen um den Aufbau der Erde und ihre Umformung durch innere und
äußere Kräfte.

  Kenntnis der Entstehung, der Eigenschaften und der Zusammensetzung
der wichtigsten Gesteine und des Bodens.

  Wissen um die Bildung von Lagerstätten und Erkennen der
Umweltproblematik, die sich durch den Abbau und die Verarbeitung von
Bodenschätzen ergeben kann.

  Übersicht über den geologischen Aufbau von Österreich.

Lerninhalte:

  Erdaufbau. Magmatische Gesteine, Ausscheidungsfolge. Verwitterung,
Abtragung, Ablagerung, Sedimentgesteine, Bodenbildung und Boden.
Metamorphe Gesteine und Kreislauf in der Gesteinsbildung.
Lagerstätten. Plattentektonik. Geologie von Österreich.

Querverbindungen:

  Geographie und Wirtschaftskunde.

3. KENNZEICHEN DES LEBENS, ZELLE UND EINZELLER

Lernziele:

  Aufzeigen der Kennzeichen des Lebens am Beispiel einiger Einzeller
sowie Gewinnung eines Einblicks in die Bedeutung und Formenvielfalt
dieser Organismen.

  Erkennen der Zelle als Elementarorganismus und Erfassen, daß
Lebensvorgänge an bestimmte Zellstrukturen gebunden sind.

  Erkennen des Organismus als hierarchisch gegliedertes und offenes
System im Fließgleichgewicht.

Lerninhalte:

  Merkmale des Lebendigen. Einige kennzeichnende Vertreter aus den
wichtigsten Gruppen der Einzeller, soweit sie zur Erarbeitung der
Lernziele geeignet erscheinen. Einfache, modellmäßige Darstellung von
Bau und Funktionen der Zellorganellen. Die Zelle als offenes System
im Fließgleichgewicht.

4. VON DER EINZELLIGKEIT ZUR VIELZELLIGKEIT

Lernziele:

  Erfassen der Vorgänge der Zellteilung und der Zelldifferenzierung
und deren Bedeutung für den Fortbestand des Lebens sowie die
Entstehung vielzelliger Lebewesen.

  Erarbeiten der Übergänge von der Einzelligkeit zur Vielzelligkeit
an Beispielen typischer Vertreter aus dem Pflanzen- und Tierreich.

  Verstehen und Erklären der mit der Vielzelligkeit verbundenen Vor-
und Nachteile.

Lerninhalte:

  Chromosomen. Kern- und Zellteilung. Differenzierung und
Spezialisierung von Zellen. Zellverbände, Gewebe. Entstehung echter
Vielzelligkeit als Evolutionsgeschehen.

5. STOFFWECHSEL

Lernziele:

  Begreifen der Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen im
Stoffwechselgeschehen der Lebewesen.

  Erkennen und Verstehen der Zusammenhänge zwischen dem Bau und der
Arbeitsweise der Organe der Stoffaufnahme, der Stoffverarbeitung, des
Stofftransportes und der Stoffabgabe unter Bezugnahme auf die
spezifische Umwelt der Organismen.

  Bakterien und Pilze im Naturhaushalt und im Dienste des Menschen,
ihre Rolle in der Biotechnologie.

Lerninhalte:

  Bau und Arbeitsweise der Organe der Pflanzen. Assimilation und
Dissimilation. Abhängigkeit von ökologischen Faktoren. Stoffaufnahme,
-transport, -speicherung und Wasserhaushalt bei Pflanzen.
Autotrophie. Heterotrophie.

  Bakterien und Pilze. Grundlagen und Bedeutung der Biotechnologie.
Grundlagen der Ernährung der Tiere. Nahrungsaufnahme, -aufschließung,
-umsetzung. Gasaustausch, Stofftransport, Ausscheidung. Erhaltung des
Stoffgleichgewichts in Organismen.

Querverbindungen:

  Geographie und Wirtschaftskunde, Haushaltsökonomie und Ernährung.

6. Klasse (2 Wochenstunden):

1. FORTPFLANZUNG

Lernziele:

  Erkennen, daß die Lebewesen im Verlauf der stammesgeschichtlichen
Entwicklung verschiedene Formen der Fortpflanzung, Vermehrung und
Verbreitung entwickelt haben.

  Kenntnis typischer Beispiele dieser Lebenserscheinungen und
Abwägung ihrer Vor- und Nachteile.

  Kenntnis der Grundlagen und Probleme verschiedener Methoden der
Fortpflanzung bei Pflanzen und Tieren und beim Menschen.

Lerninhalte:

  Arten ungeschlechtlicher und geschlechtlicher Fortpflanzung und
Vermehrung: Befruchtungsvorgänge. Methoden der Pflanzen- und
Tierzucht. Biotechnische Methoden, ihre Anwendung bei Tier und
Mensch; ihre Problematik. Einblick in die Rechtslage.

Querverbindungen:

  Geographie und Wirtschaftskunde, Geschichte und Sozialkunde,
Religion.

2. ENTWICKLUNG UND WACHSTUM

Lernziele:

  Wissen um die Entwicklung verschiedener Organismen und
Unterscheidung der Entwicklungsstadien. Kenntnis und Erklärung von
Möglichkeiten der Regelung und Beeinflussung durch äußere und innere
Faktoren. Wissen um die Möglichkeiten ihrer wirtschaftlichen Nutzung.

  Verständnis der Bedeutung der Brutfürsorge und Brutpflege für die
Erhaltung der Art und Erkennen ihrer ökologischer Vernetzung.
Kenntnis der biologischen Entwicklung des Menschen. Menschliche
Sexualität. Hinführung zu einer Werthaltung, die befähigt, im Rahmen
einer verantwortungsbewußt geplanten und gelebten Familie die
Entwicklung seiner Kinder zu fördern.

Lerninhalte:

  Keimung und Entwicklung der Pflanzen, Beeinflussung durch innere
und äußere Faktoren. Regeneration. Entwicklung der Tiere. Furchung
und Keimblattentwicklung. Embryonalentwicklung. Wachstum.
Juvenilstadien, Altern und Tod. Brutfürsorge, Brutpflege.

  Entwicklungsbiologie des Menschen. Bedeutung der
Mutter-Kind-Beziehung und der familiären Umwelt sowie der Ernährung
für die Entwicklung des Kindes im Zusammenwirken verschiedener
anderer Umwelteinflüsse. Möglichkeiten und Gefahren der Manipulation
des Sexualverhaltens. Partnerschaftsbildung, Familienplanung,
Schwangerenfürsorge und gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der
Mutter und des Kindes.

Querverbindungen:

  Religion, Haushaltsökonomie und Ernährung, Psychologie und
Philosophie, Geographie und Wirtschaftskunde, Geschichte und
Sozialkunde, Politische Bildung.

3. INFORMATIONSVERARBEITUNG, STEUERUNG, BEWEGUNG

Lernziele:

  Regelung und Koordination biologischer Abläufe in Organismen und
Erfassen körperlicher Grundlagen.

  Verständnis für die Notwendigkeit von Rezeptoren und
Regelmechanismen als Voraussetzung für die Fähigkeit der Organismen,
sich auf Grund ihrer körperlichen Ausstattung als Individuen und als
Gemeinschaften verschiedenen Umweltbedingungen anzupassen und zu
überleben.

  Begreifen der Zusammenhänge zwischen der
entwicklungsgeschichtlichen Abwandlung eins Organsystems und der
Organisationshöhe eines Lebewesens.

  Erkennen von Bewegungsvorgängen als Lebenserscheinung. Wissen um
die biologischen Strukturen, die Bewegungen ermöglichen.

  Erkennen der Möglichkeiten einer Ordnung der Organismen auf der
Grundlage eines Vergleichs.

Lerninhalte:

  Steuerung und Regelung in der Zelle und in Vielzellern.
Regelkreise. Reizbarkeit als ein Kennzeichen des Lebens. Grundlagen
für Reizaufnahme, Erregungsleitung und Wahrnehmung. Zusammenhang
zwischen Umweltbewältigung und Organisationshöhe von Nervensystemen.

  Hormonelle Steuerung. Wirkungszusammenhang zwischen Nervensystem
und Hormonsystem. Biologische Rhythmen. Bewegungstypen. Zusammenhang
von Bewegung mit Stoffwechsel, Steuerung und Stützapparat.

Querverbindungen:

  Physik, Chemie, Psychologie und Philosophie.

4. VERHALTEN

Lernziele:

  Verstehen, daß auch das Verhalten der Umweltbewältigung dient.

  Kennen und Unterscheiden von verschiedenen Formen des Verhaltens.
Wissen um einige Arbeitsmethoden der Ethologie.

  Verstehen, daß Verhaltensweisen wie Organe miteinander verglichen
und entwicklungsgeschichtlich abgeleitet werden können. Kennen der
biologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens; Verständnis gewinnen
für ererbte und erlernte Verhaltensmuster.

  Verstehen der Sonderstellung des Menschen und seiner
Verantwortlichkeit, die sich aus der Fähigkeit zur Einsicht in die
Folgen seines Handelns ergibt, sowie Erkennen seiner Fähigkeit zu
schöpferischen Leistungen.

Lerninhalte:

  Ererbtes, erlerntes und einsichtiges Verhalten im Dienste der
Umweltbewältigung. Individual- und Sozialverhalten bei Tier und
Mensch. Regelvorgänge zwischen Individuen derselben Art und zwischen
solchen verschiedener Arten.

  Stammesgeschichtliche Wurzeln menschlichen Verhaltens.
Sonderstellung des Menschen auf Grund seiner Sprache, seiner
Tradition und seines Denkvermögens.

Querverbindungen:

  Psychologie und Philosophie, Geschichte und Sozialkunde, Religion,
Deutsch, Geographie und Wirtschaftskunde.

5. GRUNDLAGEN DER ÖKOLOGIE

Lernziele:

  Erfassen der Aufgabenbereiche der Ökologie sowie Wissen um die
Bedeutung ökologischer Erkenntisse für die Lösung anstehender Fragen
aus den Bereichen der Umweltproblematik.

  Verstehen der vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen den
Lebewesen und ihrer Umwelt sowie der Grundlagen und der Grenzen ihrer
Anpassungsfähigkeit.

Lerninhalte:

  Problemstellungen und Aufgaben der Ökologie.

  Ökologische Potenz. Bedeutung abiotischer und biotischer
Umweltfaktoren für Pflanzen und Tiere. Biotop, ökologische Nische,
Biozönose. Anpassung der Organismen an ihre Umwelt.
Konvergenzerscheinungen. Kommensalismus. Symbiose. Parasitismus.

Querverbindungen:

  Geographie und Wirtschaftskunde

6. ÖKOSYSTEME UND IHRE VERÄNDERUNG

Lernziele:

  Begreifen der Zusammenhänge zwischen der biologischen Qualität
eines Ökosystems und den in ihm lebenden Populationen. Einblick in
Ökosysteme und die dort wirksamen Regelmechanismen. Erkennen von
Stoffkreisläufen und des Energieflusses in Ökosystemen sowie
Begreifen der Zusammenhänge beider Abläufe in der Natur. Abschätzen
der Tragweite menschlicher Eingriffe in Ökosysteme an ausgewählten
Beispielen, die einen direkten Zugang zu den Problemen erlauben.
Erarbeitung von Möglichkeiten zur Erhaltung, Stützung oder
Wiederherstellung eines ökologischen Gleichgewichts. Erkennen von
ökologisch-ökonomischen Vernetzungsbereichen.

  Verständnis für die Notwendigkeit zur verantwortungsbewußten
Prüfung von Entscheidungen, aber auch persönlichen Verzichts und
persönlichen Einsatzes zugunsten einer lebensgerechten Umwelt.
Einblick in die österreichische Umweltrechtslage.

Lerninhalte:

  Populationsökologie, Populationsdynamik. Ökosysteme als
Funktionseinheiten der Biosphäre. Produzenten, Konsumenten,
Destruenten. Nahrungsketten und Nahrungsnetze. Stoffkreisläufe und
Energiefluß. Ökologische Gleichgewichte. Sukzessionen. Eingriffe des
Menschen in Ökosysteme und ihre Folgen. Möglichkeiten zur Erhaltung,
Stützung oder Wiederherstellung eines biologischen Gleichgewichts.
Beispiele aus der Umwelttechnik. Naturschutz und Landschaftsschutz;
Raumplanung;

Querverbindungen:

  Geographie und Wirtschaftskunde, Informatik, Mathematik.

8. Klasse (2 Wochenstunden):

1. GENETIK

Lernziele:

  Kennen und Verstehen der Vererbungsregeln. Wissen um die
zytologischen und molekularen Grundlagen der Vererbung sowie um die
Einflüsse der Umwelt auf das Erbgut. Einblick in die biochemischen
Vorgänge bei Aktivierung, Transkription und Translation der
genetischen Information. Gewinnen von Einblicken in die praktische
Anwendung der Forschungsergebnisse in Pflanzen- und Tierzucht,
Entwicklung einer kritischen und verantwortungsbewußten Haltung
gegenüber biotechnischen Eingriffsmöglichkeiten. Aufsuchen von
Verbindungen der Genetik zu anderen Wissensgebieten wie Psychologie,
Sozialkunde, Erziehungswissenschaften, Philosophie. Fähigkeit zur
Unterscheidung von wissenschaftlicher Erklärung und mißbräuchlicher
Auslegung.

Lerninhalte:

  Intermediäre und dominant-rezessive Vererbung in mono- und
dihybriden Erbgängen. Unterscheidung von Begriffen wie homo- und
heterozygot, Phänotyp, Genotyp, haploid, diploid, Anlagenkoppelung,
Cross-over. Genlokalisation und Vererbung des Geschlechts. Ursachen,
Arten und Folgen von Mutationen. Variabilität. Bakterien, Viren als
Objekte der Molekulargenetik. Nukleinsäuren als Träger genetischer
Information, genetischer Code. Replikation. Rekombination.
Biosynthese der Proteine. Regelung der Genaktivität. Eingriffe.
Praktische Anwendungsmöglichkeiten der Genetik in der Züchtung.
Gentechnolgie.

Querverbindungen:

  Chemie, Psychologie und Philosophie, Geschichte und Sozialkunde.

2. HUMANGENETIK UND POPULATIONSGENETIK

Lernziele:

  Erkennen der genetischen Grundlage der menschlichen Individualität.
Anwendung des Wissens aus der Allgemeinen Genetik zur Erklärung
humangenetischer Phänomene. Kenntnis einiger Methoden der
Humangenetik. Kenntnis der Ursachen einiger Anomalien und Erfassung
der sich aus ihnen ergebenden individuellen und gesellschaftlichen
Probleme. Erkenntnis der Bedeutung der Eigeninitiative und der Umwelt
für die Entfaltung der eigenen Anlagen. Fähigkeit zur Stellungnahme
in Fragen der genetischen Beratung. Fähigkeit darzulegen, wie sich
die Vererbungsvorgänge in einer Population auswirken.

Lerninhalte:

  Möglichkeiten und Grenzen der Erbforschung am Menschen. Zwillings-,
Stammbaum- und Chromosomenforschung. Chromosomenkarten. Mutationen
beim Menschen. Autosomale und geschlechtschromosomale Vererbung.
Vererbung der Blutgruppen, des Rhesusfaktors und anderer physischer
sowie psychischer Anlagen. Erbliche Stoffwechselkrankheiten. Eugenik
und Euphänik. Genetische Familienberatung. Mutagene
Zivilisationseinflüsse. Grundzüge der Populationsgenetik.

Querverbindungen:

  Psychologie und Philosophie, Chemie, Geographie und
Wirtschaftskunde, Geschichte und Sozialkunde.

3. EVOLUTION

Lernziele:

  Kenntnis der Vorstellungen von der Entstehung und Entwicklung
lebender Systeme. Erlangung der Erkenntnis, daß alle Lebewesen einem
evolutiven Geschehen unterworfen sind. Fähigkeit zur Verknüpfung von
chemischer und biologischer Evolution und Begreifen des natürlichen
Systems der Organismen als Ausdruck ihrer Verwandtschaft. Überblick
über den Ablauf der Entwicklungsgeschichte. Fähigkeit zur Wiedergabe
von Evolutionstheorien und zur Stellungnahme hiezu. Erkennen der
Tatsache, daß die Mechanismen der biologischen Evolution auch bei der
Entwicklung zum Menschen wirksam waren und daß es Zusammenhänge
zwischen biologischen Voraussetzungen und kulturellen Leistungen des
Menschen gibt. Erkenntnis, daß Eingriffe von Menschen andere
menschliche Gruppen in ihrer Existenz gefährden können, und
Entwicklung der Bereitschaft zu deren Schutz und Erhaltung sowie zur
Toleranz gegenüber diesen Gruppen.

Lerninhalte:

  Chemische Evolution. Entstehung des Lebens; Theorien und Versuche.
Entwicklungsgeschichte der Erde und der Lebewesen. Zeugnisse der
stammesgeschichtlichen Entwicklung aus der Paläontologie, der
Morphologie, der Vergleichenden Anatomie, der Embryologie, der
Biochemie, Ethologie und der geographischen Verbreitung bzw.
Paläogeographie. Evolutionshypothesen (Lamarckismus, Darwinismus,
Neodarwinismus) und synthetische Evolutionstheorie als
Erklärungsversuche. Vergleichende Primatologie. Fossilgeschichte des
Menschen. Groß- und Kleinrassen der Menschheit. Problematik der
Rassenideologien. Biologische und kulturelle Evolution des Menschen.

Querverbindungen:

  Geographie und Wirtschaftskunde, Chemie, Physik, Religion,
Psychologie und Philosophie, Geschichte und Sozialkunde.

4. GESUNDHEIT UND KRANKHEIT

Lernziele:

  Kenntnis von genetischen, physiologischen, ökologischen,
psychosomatischen sowie sozialen Ursachen und Aspekten von Gesundheit
und Krankheit. Einsicht in die Verpflichtung gegenüber sich selbst
und der Gesellschaft zu einer gesunden Lebensführung. Kenntnis von
Abwehrmechanismen des Körpers und einigen Heilverfahren. Entwicklung
des Verständnisses für Kranke und Behinderte und Wissen um die
Vielfalt an Problemen, die durch Fehlernährung, Hunger, mangelnde
Hygiene und Krankheiten in verschiedenen Ländern der Erde aufgeworfen
werden. Einblick in die österreichische Rechtslage auf dem Gebiet des
Gesundheitswesens, der Arbeits- und Sozialmedizin und der
verschiedenen Bereiche der Hygiene und Hinführung zu deren Beachtung.

Lerninhalte:

  Krankheitsursachen (Infektionen, immunbiologische Ursachen,
Fehlregulationen, Gendefekte, Schadstoffe, Suchtgifte, psychosoziale
Ursachen). Immunologie, Krankheitssymptome, Methoden der Diagnose und
therapeutische Maßnahmen. Streß. Altersadäquate und biologisch
wertvolle Ernährung. Sport und Gesundheit. Grundlagen einer gesunden
Lebensführung. Öffentliches Gesundheitswesen; Einblick in die
österreichische Rechtslage. Hunger, Krankheit und mangelnde Hygiene
als weltweite Probleme. Lösungsansätze.

Querverbindungen:

  Geographie und Wirtschaftskunde, Physik, Chemie, Religion, Deutsch,
Fremdsprachen, Geschichte und Sozialkunde.

5. HUMANÖKOLOGIE

Lernziele:

  Erkenntnis der Tatsache, daß der Mensch von seinem jeweiligen
Lebensbereich (Habitat) ausgehenden physischen und psychischen
Einflüssen ausgesetzt ist und auch, daß körperliches und seelisches
Wohlbefinden in Wechselwirkung mit der jeweiligen Umwelt stehen.
Entwicklung von Einsicht und Verständnis für die Ansprüche der
Mitmenschen sowie für die Notwendigkeit zu einer ökologisch
begründeten und planvollen Gestaltung menschlicher Habitate.
Bereitschaft zu einer umwelt- und gemeinschaftsbewußten Grundhaltung.
Erkennen der Grenzen menschlicher Eingriffe in Ökosysteme und
Hinführen zu der Erkenntnis, daß biologisches Wissen und
verantwortungsbewußtes Handeln für die weitere Existenz der
Menschheit Voraussetzung sind. Einblicke in die österreichische
Rechtslage zu Arten-, Biotop- und Naturschutz, Landschaftspflege.
Erfassung der Problematik, die sich aus Bevölkerungswachstum,
Welternährungs-, Energiesituation und Raummangel ergibt, sowie die
Vermaschung und Kumulation (Synergismen) all dieser Phänomene.
Entwicklung der Bereitschaft, nach immer wieder neu zu begründenden
Lösungen der Konflikte zwischen Natur und Umwelt, persönlicher
Freiheit des Handelns und gesellschaftlichen Ansprüchen zu suchen.

Lerninhalte:

  Die Lebensbereiche (Habitate) des Menschen: Wohnung und Behausung,
Arbeitsplatz, Schule. Verkehrs-, Freizeit-, Erholungshabitate, ihre
ökologisch begründete sinnvolle Gestaltung und Nutzung sowohl im
Hinblick auf körperliche und seelische Bedürfnisse als auch im
Hinblick auf die Wahrung natürlicher Voraussetzungen und
sozio-ökonomischer Ansprüche. Einblick in die österreichische
Rechtslage zur Verwirklichung von Natur- und Umweltschutz, von
Arbeits- und Sozialhygiene, des Schutzes von Müttern und Kindern,
alten Menschen und Behinderten. Bevölkerungswachstum, Welternährung,
Rohstoff- und Energieprobleme, Vermaschung und Kumulation.
Synergistische Wirkung und Folgen positiv rückgekoppelter
Regelkreise. Lösungsmöglichkeiten auf Grund von
naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und gemeinschaftsbewußter
Grundhaltung.

Querverbindungen:

  Geographie und Wirtschaftskunde, Geschichte und Sozialkunde,
Religion, Deutsch, Psychologie und Philosophie, Chemie,
Fremdsprachen, Informatik.

Didaktische Grundsätze:

  In Biologie und Umweltkunde sind folgende fachspezifische
Gesichtspunkte für die Gewichtung, Anordnung und Strukturierung der
Lerninhalte zu beachten:
- Individual- und Gesellschaftsrelevanz
- Bedeutung ökologischer Beziehungen
- Hinführung zu Natur- und Umweltverständnis und zur
  Verantwortlichkeit
- Bedeutung des Evolutionsgedankens
- Struktur- und Funktionszusammenhang.

  Gewichtung und Auswahl der Lerninhalte im Hinblick auf die
Erarbeitung der Lernziele stehen dem Lehrer frei und werden sich nach
den regionalen, schulinternen, jahreszeitlichen sowie anderen
aktuellen Gegebenheiten richten. Dies sollte aber nicht dazu führen,
daß sich die Auswahl ausschließlich an den jeweils herrschenden
Trends orientiert; vielmehr sollte die Befähigung gefördert werden,
sich mit diesen Strömungen kritisch auseinanderzusetzen. Der
Unterricht der Oberstufe baut auf die in der Unterstufe erarbeiteten
Lernziele auf. Die Abfolge der Unterrichtssequenzen ergibt sich aus
dem ständigen Anknüpfen an bereits vorhandene Kenntnisse. Unter
Beachtung dieser Gesichtspunkte können die Lernziele einer Klasse in
verschiedener Reihenfolge erarbeitet werden.

  Es sind alle Formen des Lehrens und des Lernens - dem jeweiligen
Fachproblem und der jeweiligen Unterrichtssituation entsprechend -
anwendbar. Folgende fachspezifische Formen sollten besonders
berücksichtigt werden:
- Einstieg über motivierende Faktoren
- Abfolge vom Bekannten zum Unbekannten, vom Konkreten zum
  Abstrakten, vom Einfachen zum Komplexen, von der anorganischen
  Voraussetzung zur molekularen und zellulären Evolution, vom
  Organell, Organ, Organsystem zum Organismus und zur Beziehung
  Organismus/Umwelt
- innerfachlicher und fächerübergreifender Projektunterricht.

  Vor allem am Realgymnasium mit ergänzendem Unterricht in Biologie
und Umweltkunde, Physik sowie Chemie überdies:
- Beobachten, Vergleichen, Ordnen, Experimentieren, Interpretieren,
  entdeckendes Lernen, Demonstration, Kleingruppengespräch und
  -arbeit, Anregung zur Einzelarbeit
- Exkursionen und Lehrgänge in verschiedene Biotope, in Betriebe und
  Stätten der angewandten Biologie und Ökologie, des Umweltschutzes
  sowie in außerschulische Bildungsstätten; Einladung von Referenten
- das Vertrautmachen mit wissenschaftlichen Arbeitsweisen:
  Problemerkennung, Problemanalyse, Entwicklung von Verfahren zur
  Problemlösung, Reflexionen über Hypothesen- und Theoriebildung,
  Darstellung und Interpretation von Ergebnissen.

  Für den Unterrichtsgegenstand Biologie und Umweltkunde sind
folgende Lernaktivitäten von besonderer Bedeutung:
- Beobachtung, Untersuchung, Betreuung und Beschreibung von lebenden
  Objekten; Untersuchung von Handstücken, Durchführung von
  Experimenten; Auswertung von Präparaten, Bildern, Dias, Filmen und
  anderen Medien; das Einbeziehen und Verarbeiten von Fachliteratur;
  die Auswertung von Tabellen und Diagrammen und deren Umsetzung; das
  Lesen und Deuten von geologischen, pflanzensoziologischen,
  tiergeographischen und ähnlichen Landkarten
- Schließen vom Beobachteten und Erlernten auf andere, den Schülern
  zunächst noch unbekannte Sachverhalte der Biologie, sowie Erkennen
  und Beschreiben von biologischen Vorgängen, Kenntnisnahme von
  Regelhaftigkeiten und Abweichungen, Übereinstimmungen und
  Unterschieden, Analogien und Homologien, Kausalzusammenhängen,
  Synergismen, Zusammenhängen von Struktur und Form usw. anhand
  biologisch-ökologischer Sachverhalte
- die richtige Darstellung biologischer Sachverhalte in Wort,
  Schrift, Graphik, schematischer Zeichnung usw.
- die Anwendung einiger elementarer Methoden und Techniken
  wissenschaftlichen Arbeitens.

  Hiezu wird sich, außer dem Lehrervortrag mit Demonstration von
Objekten und Medien mit initiierender Lehrerfrage und
Unterrichtsgespräch sowie der Erarbeitung der Lernziele mit Hilfe des
Lehrbuches und von Begleitmaterialien besonders die Gruppenarbeit
beim Beobachten, Sammeln, Vergleichen, Ordnen, Experimentieren und
entdeckenden Lernen, sowie die Einzelarbeit, aber auch die Exkursion
als eine besondere Form des sozialen Lernens eignen.

  Die Sicherung und Kontrolle des Unterrichtsertrages richtet sich
nach den allgemeinen didaktischen Grundsätzen, jedoch werden sich
besonders empfehlen:
- Üben und Vertiefen durch Arbeitsberichte,
- Anwenden biologischer Arbeitstechniken (Mikroskopieren,
  Präparieren, Erkennen und Bestimmen, Beobachten und
  Experimentieren; kritisches Auswerten und Interpretieren
  verschiedener Informationsquellen, Lehrausgänge)
- Herstellung von Querverbindungen nach ökologischen, vergleichend
  anatomischen, systematisch-evolutiven sowie fächerübergreifenden
  Gesichtspunkten
- dauerndes Einbeziehen der Schüler in den Unterricht durch
  Arbeitsaufträge, schüleraktivierende Lernverfahren und Impulse.

Besondere didaktische Hinweise zu den einzelnen Klassen:

5. Klasse:

  Die Erarbeitung der Geologie in der Oberstufe sollte auf dem
dynamisch-evolutiven Prinzip aufbauen. So sollten etwa die
Erstarrungsgesteine als Produkte der Ausscheidungsfolge aus dem
Magma, die Sedimente und die Umwandlungsgesteine als Ergebnisse der
äußeren und inneren Kräfte beschrieben werden, als derzeitige
Zwischenstufen im Kreislauf in der Gesteinsbildung. Ebenso wird der
geologische Aufbau von Österreich als aktuelles Ergebnis
erdgeschichtlicher Veränderungen darzustellen sein. Exkursionen und
Lehrausgänge zu Aufschlüssen sowie Lehrfilme bieten sich als
motivierende Einstiege an, wenn vom Verständnis der
Landschaftsformen, der wichtigsten geologischen Zonen Österreichs als
Ergebnis tektonischer und anderer geologischer Gegebenheiten
ausgegangen wird. Auch der umgekehrte Weg scheint möglich. Von einer
bloß reihenden Vorweisung und Beschreibung von Handstücken sowie
einer bloßen Erörterung des Ist-Zustandes ist jedoch abzusehen.

  Durch genauere Kenntnisse über die wichtigsten gebirgsbildenden und
landschaftsformenden Gesteine und Lockersedimente sowie über die
Genese der wichtigsten Lagerstättentypen sollen die Schüler bessere
Grundlagen für das Verständnis für verantwortungsvolle Landnutzung
und für Landschaftsschutz erwerben, die begrenzte Verfügbarkeit von
Bodenschätzen erkennen und die Bereitschaft zu ihrer sparsamen
Nutzung entwickeln. Es ist darauf hinzuarbeiten, den Schülern die
Bedeutung der Böden als Lebensgrundlage für alle Landlebewesen
verständlich zu machen und ihnen grundlegende Kenntnisse über die
Entstehung und das innere Wirkungsgefüge der Böden zu vermitteln.
Dadurch können sie später die Bereitschaft entwickeln, diese
Lebensgrundlage sorgsam und verantwortungsbewußt zu erhalten und zu
bearbeiten und Eingriffe zu vermeiden, die Bodenschäden und
Bodenverluste nach sich ziehen.

  Der Problemkreis Grundwasser und Grundwasserschutz ist im
Zusammenhang mit dem Boden aufzuzeigen.

  Aus den Vorkenntnissen der Schüler werden sich die Begriffe
Stoffwechsel, Fortpflanzung und Wachstum sowie Reizbeantwortung und
Steuerung von Lebensvorgängen erarbeiten lassen. Weiters läßt sich
erarbeiten, daß alle Grundeigenschaften des Lebens von einer einzigen
Zelle gemeistert werden können (wie bei Einzellern), und daß der
Zusammenschluß von Zellen eine bessere Bewältigung der Lebensvorgänge
ermöglicht, daß aber andererseits durch die Spezialisierung von
Zellen und durch deren Zusammenschluß zu Geweben und Organen eines
vielzelligen Organismus die Eigenständigkeit verlorengeht.
Anschließend wird der Stoffwechsel an wenigen ausgewählten Beispielen
zu besprechen sein. Dabei wäre es möglich, von den Organellen der
Zelle, von Geweben oder Organen ausgehend deren Arbeitsweise zu
besprechen, wobei im Sinne eines aufbauenden Unterrichtsgeschehens
auf Eingangsvoraussetzungen aus der Unterstufe, speziell der
Physiologie und Anatomie des Menschen, zurückgegriffen werden kann
und auf dieser Basis die entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhänge
erkannt werden sollen.

6. Klasse:

  Ausgehend von den Kriterien des Lebens, die in der 5. Klasse
besprochen worden sind, werden sowohl Fortpflanzung und Entwicklung
als auch Reizbarkeit und Steuerung durchzunehmen sein. Aus
verschiedenen Beispielen aus dem Unterricht der Unterstufe wie auch
aus eigener Erfahrungswelt sind sowohl der Begriff Fortpflanzung als
auch Gegebenheiten wie Entwicklung oder Wachstum bekannt.

  Nunmehr sollten diese Grundphänomene des Lebens analysiert und als
Vorgänge mit gleicher Ausgangslage, aber verschiedener Einkleidung
erkannt werden.

  Das sind die ungeschlechtliche Fortpflanzung, deren Aufgabe die
Produktion großer Nachkommenzahlen ist, und die geschlechtliche mit
einer Ausrichtung auf Kombination des Erbgutes und damit verbundener
Höherentwicklung als ein Faktor einer Evolution.

  Die Entwicklung der Lebewesen aus einer Verschmelzung von zwei
Zellen müßte nicht nur als Vorgang angesehen werden, den es in
mannigfacher Abwandlung gibt, sondern auch als kompliziertes
Zusammenspiel äußerer und innerer Faktoren.

  Aus den Phänomenen der Entwicklung eines einfachen Keims zu einem
komplizierten Lebewesen, aus der Differenzierung der Zelle und aus
der Spezialisierung von Zellen und der Notwendigkeit zum
Zusammenschluß die Vielfalt tierischer Lebewesen und ihre
Lebenserscheinungen abgeleitet werden können.

  Kenntnisse von Entwicklungsvorgängen des Menschen vermitteln den
Schülern Einsichten, die ihnen die Probleme ihrer eigenen Entwicklung
und der ihrer Mitmenschen verständlich machen. Da die Schüler dieser
Altersstufe bereits dafür aufgeschlossen und befähigt sind, über rein
anatomische und physiologische Gegebenheiten hinaus an sexuelle
Fragen von höherer Warte aus heranzugehen, ist es angebracht, diese
Lerninhalte als Zusammenschau an sie heranzutragen. Die Lernziele
dieses Kapitels bilden die Grundlage für eine verantwortungsbewußte
Haltung gegenüber dem Partner und der Nachkommenschaft und dienen
auch der eigenen Persönlichkeits- und Sinnfindung.

  Eine isolierte Betrachtung einzelner Organsysteme wird vorerst
möglich sein; bei der Zusammenfassung aber werden
Steuerungsmechanismen in den Vordergrund treten. Die Beziehungen zur
Umwelt werden in einem Konnex zwischen Wahrnehmung und Reaktion
darauf in Form nervöser und hormoneller Regelung münden.

  Die Bewegungsvorgänge stehen als auffällige Lebenserscheinung im
Zusammenhang mit Steuerungsvorgängen in Organismen. Unter Vermeidung
einer umfassenden vergleichenden Anatomie sollten einige wesentliche
Muskelbewegungstypen und Zellorganellen mit Bewegungsfunktionen
besprochen werden.

  Auf der Basis des Vergleichs sollten Einsichten
in entwicklungsgeschichtliche Zusammenhänge erreicht werden.

  Die Erarbeitung von Wahrnehmung und Steuerung im Organismus
ermöglicht das Verständnis dafür, Verhaltensweisen als Steuerung
zwischen Lebewesen zu sehen. Es sollten einige Grundkenntnisse der
Verhaltenslehre erarbeitet werden (Reflex, Instinkthandlung,
Auslöser, Lernverhalten, Sozialverhalten), jedenfalls soviel, um die
biologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens zu verstehen. Die
Erkenntnis, daß auch der Mensch durch bestimmte Verhaltensweisen
beeinflußt wird, sollte im Wissen der Schüler verankert werden.

  Verhalten und Ökologie stehen in enger Beziehung: außer durch die
Vorgabe des Lebensraumes und der dort gegebenen Existenzbedingungen
bzw. der Anpassung an diese auf Grund körperlicher Eigenschaften ist
die Existenz von Lebewesen auch durch das vielfache Nebeneinander
bestimmt. Stoffkreisläufe und Nahrungsnetze, Konkurrenz und sonstige
Wechselbeziehungen führen zur Biozönose und zum Ökosystem. Es
empfiehlt sich, diesem Abschnitt vermehrtes Augenmerk zu schenken,
denn es ist eines der Hauptanliegen des Biologieunterrichts,
fundierte Kenntnisse aus Ökologie zu vermitteln, die Eingriffe des
Menschen darzustellen, die Interessenkonflikte und
Problemlösungsstrategien dazu herauszuarbeiten und die Möglichkeiten
zur Erhaltung von Ökologiesystemen, aber auch Maßnahmen der
Umwelttechnologie zur Wiederherstellung eines ökologisch
ausgeglichenen Zustandes zu erörtern. Jedenfalls sollte in den
Schülern eine Grundeinstellung geweckt und gefestigt werden, die dazu
führt, daß sie im späteren Leben Entscheidungen treffen, die
ökologisch begründet und von verantwortungsbewußter Haltung gegenüber
sich selbst, der Mitwelt und der Nachwelt getragen sind.

  Der im Realgymnasium zu besprechende Vorgang der Urbanisierung ist
heute weltweit zu beobachten. Neben der Veränderung von Lebensräumen
durch sie und der Entstehung neuartiger Lebensräume mit spezieller
ökologischer Problematik und Gewichtung ergeben sich auch für den
Menschen neuartige und spezielle Probleme, auf die hingewiesen werden
sollte. Außerdem bietet dieses Lernziel Grundlagen für die
Erarbeitung der Humanökologie (Habitatslehre) in der 8. Klasse.

8. Klasse:

  Das Kapitel Evolution ist besonders geeignet, das Zusammentragen
von Forschungsergebnissen aus den verschiedensten Disziplinen der
Wissenschaft als Grundlage zum Verständnis evolutiven Geschehens zu
erkennen. Es wird sich als nötig erweisen, auch auf die
Eingebundenheit des Menschen in die Evolution besonders hinzuweisen:
nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus Gründen seiner
Abstammung muß sich der Mensch als Teil der Natur erkennen. Die
Abstammungslehre eröffnet den Schülern einerseits das Verständnis für
die abgestufte Ähnlichkeit der Arten, andererseits aber auch - trotz
seiner Vielfalt - für die Einheitlichkeit alles Lebendigen. Das
Kapitel Genetik ermöglicht es, im Unterricht beispielhaft
naturwissenschaftliche Methodik aufzuzeigen: Beobachtung, präzise
Fragestellung, Entwurf von Hypothesen, Durchführung von Experimenten
und zahlenmäßige Erfassung von Ergebnissen. Es ist sicher
zielführend, nicht sosehr abstrakte Betrachtungen in den Vordergrund
zu stellen, als vielmehr den Zusammenhang der Grundlagen aus
Einblicken in die praktische Anwendung der Genetik abzuleiten. Durch
vielfältige Überschneidungen von Wissenschaft und Technik, mögliche
Risken, aber auch durch die diversen ethischen Aspekte bedingt, sind
fundierte Sachkenntnisse in den verschiedenen Teilgebieten der
Genetik unerläßlich, um zu einschlägigen gesellschaftspolitischen
Fragen sachgerecht Stellung nehmen zu können. Auch das Aufzeigen der
einerseits erblich bedingten, andererseits durch Eigeninitiative und
Umwelt formbaren menschlichen Individualität ist ein wesentlicher
Beitrag zum Selbstverständnis des Menschen.

  Der Abschnitt Gesundheit und Krankheit sollte nicht bloß als eine
Gesundheitslehre, sondern als darüber hinausgehende Perspektive der
Zusammenhänge zwischen Gesundheit, Krankheit und dem Menschen, aber
auch der Gesellschaft (im Sinne von Individual- und Sozialaspekt)
aufgefaßt werden. Aus der Vielfalt von Krankheitsursachen
exemplarisch ausgewählt werden Zusammenhänge herzustellen sein:
zwischen Infektion, Inkubation, Krankheit und Abwehr; zwischen den
Möglichkeiten der verschiedenen Sparten der Medizin; zwischen
Seuchen, Unwissenheit und Armut; zwischen Hunger, Krankheit und Tod;
zwischen Lebensangst, Alkohol und Drogen; zwischen Streß und
Neurosen; zwischen Umweltqualität und Lebensqualität. Es wird aber
auch aufzuzeigen sein, wie versucht wird, durch Verordnungen und
Gesetze, durch Sozial- und Arbeitshygiene die Bürger zu schützen,
aber auch, wie vieles davon im Unverstand, im Egoismus oder auch im
Mißbrauch versandet. Der im Menschen vorhandene Wunsch nach
Gesundheit und langem Leben sollte hier durch den Unterricht auf eine
reelle, wissenschaftlich fundierte Basis gestellt werden. Ebenso aber
müßte auch das Verständnis für Krankheit, Leiden und Behinderung
anderer Menschen geweckt werden.

  Im abschließenden humanökologischen Kapitel wird es darum gehen,
exemplarisch die Vielfalt angebotener human- und umweltbiologischer
Wissensgebiete zusammenzufassen. Die Schüler sollten erkennen, daß
die persönliche Umwelt und die der Gesellschaft, das Wohnen und
Arbeiten, Lebensabschnitte der Aktivität, der Ruhe und der Erholung,
das Zusammenleben und das Alleinsein eng miteinander verflochten
sind. Es sollte gelingen, den Schülern die Einsicht zu vermitteln,
daß menschlich leben bewußtes Leben bedeutet, sie weiters zu
veranlassen, sich als Erwachsene auf biologische Grundtatsachen und
Verflechtungen zu besinnen und danach zu handeln. Die Humanökologie
führt auch im Sinne einer politischen Bildung zur Erziehung zum
mündigen, kritischen, aktiven und verantwortungsbewußten
Staatsbürger. Fundierte, auch fächerübergreifende Kenntnisse über
ökologische Zusammenhänge auf weltweiter Basis soll den Schülern das
Rüstzeug bieten, in zukünftigen Lebensbereichen verantwortungsbewußt
die, ökologisch begründet, richtigen Entscheidungen zu treffen.

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