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 Wahlpflichtgegenstand Geschichte und Sozialkunde, politische Bildung und Rechtskunde

Geschichte und Sozialkunde

(alter Lehrplan - gültig bis 2001/02)

Anmerkung: Dieser Lehrplan war bis einschließlich 2001/02 gültig. Im Schuljahr 2001/02 hieß der Gegenstand in der 7. und 8. Klasse "Geschichte und politische Bildung". Seit Beginn des Schuljahres 2002/03 heißt der Gegenstand "Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung" und hat einen neuen Lehrplan.

 Allgemeiner Teil des Lehrplans


Bildungs- und Lehraufgabe:

  Der Unterricht in Geschichte und Sozialkunde soll zum Erreichen der
folgenden Ziele beitragen, die sowohl fachspezifische als auch
fächerübergreifende Aspekte enthalten. Vor allem soll er das
Verständnis für die Gegenwart in ihrer historischen Bedingtheit
wecken und mit einigen grundlegenden Fragestellungen und
Erkenntnisweisen der Geschichts- und Sozialwissenschaften vertraut
machen.

  Er vermittelt Kenntnisse
- von bedeutsamen Geschehnissen und Situationen der Weltgeschichte,
- von wichtigen Sachverhalten der Geschichte Österreichs im
  europäischen Zusammenhang,
- von wichtigen geschichtsformenden Ideen und Kräften,
- von charakteristischen Merkmalen wichtiger Epochen der
  Menschheitsgeschichte und von den verschiedenen Kriterien ihrer
  Abgrenzung,
- von Möglichkeit der Einordnung historischer Ereignisse in
  unterschiedliche, zB zeitliche, räumliche und sachliche,
  Zusammenhänge und Strukturen,
- von unterschiedlichen politischen, rechtlichen, sozialen und
  wirtschaftlichen Ordnungen

  und entwickelt bei den Schülern die Fähigkeit
- zur Interpretation und Kritik historischer und sozialkundlicher
  Materialien und Quellen,
- zur möglichst objektiven Darstellung und Beurteilung historischer
  und gesellschaftlicher Phänomene,
- zur Erkenntnis, daß die Geschichtswissenschaft und die
  Geschichtsschreibung auch zeitgenössische Wertungen und
  Interpretationsmuster auf die Vergangenheit projizieren,
- zur Generalisierung historischer Einsichten,
- zum Begreifen von Strukturzusammenhängen, historischen
  Konstellationen und Entscheidungssituationen in ihrer Komplexität
  und Multikausalität,
- zur selbständigen Einordnung von wesentlichen Daten und Fakten in
  den historischen Gesamtzusammenhang,
- zur Darlegung gegensätzlicher Positionen in Konfliktsituationen und
  Entscheidungsprozessen und
- zur Einsicht in das Zusammenwirken rationaler und irrationaler
  Komponenten in der Geschichte.

  Darüber hinaus soll der Geschichts- und Sozialkundeunterricht die
Schüler befähigen,
- aus der Kenntnis der Geschichte Einsichten in politische,
  rechtliche, sozial-strukturelle, wirtschaftliche und kulturelle
  Zusammenhänge und Wechselbeziehungen zu gewinnen,
- kritisch zu urteilen und die Grenzen des eigenen Urteilsvermögens
  zu erkennen,
- ein politisches Bewußtsein als Grundlage für die eigene
  Lebensgestaltung zu entwickeln, das sich an den Prinzipien der
  Demokratie und des Rechtsstaates, der Humanität und der Toleranz,
  der Weltoffenheit und Verständigungsbereitschaft, der Gerechtigkeit
  und Solidarität, der Freiheits- und Friedensliebe orientiert, sowie
- gesellschaftliche Probleme in der eigenen Region, im eigenen
  Bundesland, in Österreich, in Europa und in der Welt wahrzunehmen,
  sachgerecht zu beurteilen und an ihrer Lösung aktiv und
  verantwortungsbewußt mitzuwirken.

Lernziele und Lerninhalte:

5. Klasse (2 Wochenstunden):

1. Entwicklung von Primärgesellschaften zu frühen Hochkulturen

Lernziele:
- Kennenlernen jener Erfindungen und Errungenschaften, auf denen der
  Bestand der Menschheit dauerhaft begründet werden konnte.
- Verstehen der Integration von Primärgruppen zu größeren Verbänden.
- Erkennen der typologischen Merkmale der Entstehung und Entwicklung
  von Hochkulturen.
- Erkennen der Bedeutung des magischen Denkens für die
  Lebensbewältigung sowie des Mythos und der Religion als gestaltende
  und sinndeutende Kräfte in frühen Hochkulturen.
- Erarbeiten einer Übersicht über den Ablauf der Urgeschichte und
  über die frühen Hochkulturen.

Lerninhalte:

  Werkzeuggebrauch und Herstellung; Sammelwirtschaft und
Produktionswirtschaft; wirtschaftliche und gesellschaftliche
Differenzierung. Funktionen religiöser Vorstellungen.
Herrschaftsbildung durch kollektive Bewältigung des Lebensraumes in
einer differenzierten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung,
dargestellt am Beispiel einer Hochkultur.

  Die Stadt als Herrschafts- und Wirtschaftszentrum. Die politische
Funktion der Religion; Gottkönigtum. Schrift, Kalender, Zeitrechnung;
Anfänge der Wissenschaft.

Allenfalls: Randvölker als Triebkräfte der weltgeschichtlichen
Entwicklung: Umformung und Weitergabe von Kulturtechniken.

2. Vergleich politischer Organisationsformen und kulturprägender
Kräfte in der antiken Welt

Lernziele:
- Gewinnen der Fähigkeit, wesentliche Daten und Fakten der Antike
  thematisch und chronologisch einordnen zu können.
- Erfassen des antiken Gemeindestaates als Modell staatlicher und
  gesellschaftlicher Entwicklung.
- Verstehen der Loslösung des Menschen- und Weltbildes von
  mythologischen und Hinwendung zu rationalen Vorstellungen der
  Lebensgestaltung im klassischen Griechenland.
- Erkennen der Problematik der politischen Organisation von
  Großreichen und deren Einfluß auf Gesellschaft, Wirtschaft und
  Kultur, vor allem am Beispiel des Römischen Reiches.
- Verstehen der Hellenisierung und der Romanisierung als
  raumgestaltende und kulturverschmelzende Kräfte.
- Erkennen der Gemeinsamkeiten des Imperium Romanum und des
  chinesischen Reiches zur Zeit der Han-Dynastie und Herausarbeiten
  ihrer Unterschiede.

Lerninhalte:

  Polis und Res publica; Ständekämpfe in Athen und Rom, ihre Ursachen
und Auswirkungen; die Funktion und Entwicklung der Sklaverei; antike
und moderne Demokratie.

  Griechische Philosophie und Wissenschaft.

  Expansion und ihre Folgen; Pax Romana; römisches Recht;
Gegenüberstellung von Prinzipat und Dominat; Zerfall der römischen
Mittelmeerwelt.

  Die hellenistische Kultur und ihre Auswirkungen; Vergleich der
Funktion antiker Städte: orientalische Residenz, hellenistische Stadt
und römisches Municipium; die Romanisierung am Beispiel des römischen
Österreich.

  China zur Zeit der Han-Dynastie: Rechtsordnung, Beamtenstand,
umfassende Grenzbefestigungen.

  Konfuzianismus; Stoa.

Allenfalls: Eingehendere Behandlung Athens und Spartas als
antagonistische Modelle.

3. Die Weltreligionen

Lernziel:

  Erfassen der Bedeutung von Weltreligionen als lebensgestaltende und
kulturformende Kräfte.

Lerninhalte:

  Auswirkungen der Religion auf Gesellschaft, Recht, Wirtschaft,
Politik, Kunst und Wissenschaft an Beispielen aus Christentum, Islam,
Hinduismus, Buddhismus.

  Bedeutung des Judentums für die monotheistischen Religionen.

4. Von der Antike zum Mittelalter

Lernziel:

  Erfassen von Kontinuität und Wandel in neuentstehenden
Kulturkreisen.

Lerninhalte:

  Fortleben antiker Kulturleistungen; unterschiedliche Entwicklungen
im byzantinischen Reich, im islamischen Großreich und im
Frankenreich.

6. Klasse (2 Wochenstunden):

1. Grundlagen Europas im Mittelalter

Lernziele:
- Erkennen der neuen wirtschaftlichen, sozialen und politischen
  Ordnung im mittelalterlichen Europa.
- Erkennen der Auswirkungen der einheitlichen christlichen Religion
  auf das gesellschaftliche und kulturelle Leben sowie auf die
  Entwicklung des Weltbildes.
- Verstehen des Wandels vom Personenverbands- zum Territorialstaat
  vor allem am Beispiel österreichischer Länder.
- Verstehen der krisenhaften Prozesse des Spätmittelalters als
  Niedergang, Differenzierung und Neubildung.
- Gewinnen eines chronologischen und thematischen Überblicks über das
  europäische Mittelalter.

Lerninhalte:

  Lehenswesen und Grundherrschaft; Adel und Rittertum, die bäuerliche
Welt; Entstehung und Entwicklung der europäischen Stadt und des
Bürgertums.

  Die universalen Mächte Kaisertum und Papsttum, ihr Zusammenwirken
und ihre Rivalität.

  Kontakte und Konfrontationen mit dem byzantinischen und dem
islamischen Kulturkreis.

  Religiös bestimmte Lebensordnung; die Bedeutung der Klöster;
Schulen und Universitäten; die Scholastik. Königtum und fürstliche
Hausmachtpolitik; die Entwicklung österreichischer Länder zu
Flächenstaaten mit eigener Verwaltung; Landesfürstentum und Stände.

  Die große Pest und die wirtschaftliche Depression; die Feudalkrise;
soziale Konflikte im städtischen und ländlichen Bereich.

  Verweltlichung der Kirche; konziliare Idee; religiöse
Reformbewegungen; Hussiten.

Allenfalls: Vergleich der unterschiedlichen Entwicklungen der
Staatsstruktur im deutschen, französischen und englischen Königreich.

  Das christliche Weltbild in der mittelalterlichen Kunst.

2. Europa im Zeitalter von Renaissance, Reformation und
Gegenreformation

Lernziele:
- Verstehen der Veränderungen im Weltbild und im Kommunikationssystem
  zu Beginn der Neuzeit.
- Erfassen der sozialen und politischen Dynamik seit der Wende vom
  Mittelalter zur Neuzeit.
- Erkennen der Bedeutung der überseeischen Expansion Europas und
  ihrer Folgen.
- Erkennen der Bedeutung kirchlicher Reformbestrebungen und Konflikte
  sowie ihres Zusammenhanges mit sozialem Wandel und politischem
  Machtkampf.

Lerninhalte:

  Humanismus und Renaissance als Ausdruck des neuen Selbst- und
Weltverständnisses; Fortschritte der Wissenschaft, Erfindungen, neue
Informations- und Verkehrssysteme; Entdeckungen; Auswirkungen der
kolonialen Expansion; Frühkapitalismus und Preisrevolution.

  Reformation Luthers und Calvins; katholische Erneuerung und
Gegenreformation.

  Die Entstehung des neuzeitlichen Systems der zwischenstaatlichen
Beziehungen; Kaisertum und föderative Ordnung im römisch-deutschen
Reich; politische und sozioökonomische Wirkungen der konfessionellen
Gegensätze; Dreißigjähriger Krieg.

Allenfalls: Die westeuropäische Staatenwelt im konfessionellen
Zeitalter.

  Vergleich der Entwicklungshöhe außereuropäischer Kulturen mit
Europa an der Wende zur Neuzeit.

3. Die Entwicklung des modernen Staates und der Gesellschaft bis zur
Französischen Revolution

Lernziele:
- Erfassen der Wesensmerkmale des Absolutismus und des frühen
  Parlamentarismus.
- Erfassen der Voraussetzungen der Aufklärung.
- Erkennen der Grundideen der Aufklärung als einer über die
  Jahrhunderte wirkenden geistigen Kraft.

Lerninhalte:

  Das absolutistische System am Beispiel Frankreichs; die Entwicklung
des Parlamentarismus und der Rechtsstaatlichkeit in England.

  Wachsendes Selbstbewußtsein des Bürgertums, Spannungen zwischen
alten und neuen Führungsschichten; Rationalismus und Empirismus;
Glaube an Berufung und Macht der Wissenschaft.

  Ideen der Aufklärung; ihre Auswirkungen auf Gesellschaft, Religion,
Staat und Wirtschaft.

4. Die Entwicklung der habsburgischen Erblande zum Gesamtstaat und
zur Eigenstaatlichkeit

Lernziele:
- Erfassen der Probleme, die sich aus einer Großmachtstellung
  ergeben.
- Verstehen des Barock als Ausdruck eines veränderten Lebensgefühls.
- Verstehen des aufgeklärten Absolutismus als Lösungsversuch
  gesellschaftlicher und politischer Probleme.

Lerninhalte:

  Die Stellung der Habsburger im römisch-deutschen Reich;
Auseinandersetzungen mit dem französischen Königtum und dem
Osmanischen Reich.

  Das Weltbild des österreichischen Barock und seine Spiegelung in
der Kunst.

  Reformpolitik unter Maria Theresia und Joseph II.

Allenfalls: Die österreichische Kameralistik. Südeuropa als
Einflußgebiet verschiedener Kulturen.

5. Revolutionäre Prozesse und restaurative Gegenbewegungen

Lernziele:
- Erfassen von Motiven und Ursachen von Freiheitsbewegungen und
  revolutionären Prozessen sowie ihrer Realisierungsmöglichkeiten und
  ihrer Verlaufsformen.
- Erkennen der Gefahr einer Entwicklung totalitärer Machtansprüche
  bei Revolution, Gegenrevolution und Restauration.

Lerninhalte:

  Das Werden einer modernen Demokratie in den USA. Die Französische
Revolution. Das napoleonische Hegemonialsystem und sein Scheitern.
Der Wiener Kongreß und das System der Restauration.

7. Klasse (2 Wochenstunden):

1. Gestaltende Kräfte des 19. Jahrhunderts in Wirtschaft,
Gesellschaft und Staat

Lernziele:
- Erkennen der Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlichen,
  technologischen, ökonomischen und politischen Entwicklungen.
- Erfassen der Veränderungen im gesellschaftlichen Aufbau und der
  Entstehung neuer Gesellschaftsschichten als Folge der Ersten
  industriellen Revolution sowie der daraus erwachsenden
  Auseinandersetzungen.
- Kennenlernen von verschiedenen Lösungsversuchen für die Bewältigung
  der Spannungen und Krisen des Industriezeitalters.
- Erfassen des Liberalismus und Nationalismus als
  gesellschaftsformende und staatenbildende Kräfte im
  19. Jahrhundert.
- Erkennen der Grundlagen, Formen und Auswirkungen imperialistischer
  Politik.

Lerninhalte:

  Die Erste industrielle Revolution, ihre Ursachen und Auswirkungen.

  Die Struktur der vorindustriellen und der industriellen
Gesellschaft.

  Wirtschaftsliberalismus und Hochkapitalismus; Entstehung und
Weiterentwicklung sozialistischer Theorien und christlicher
Soziallehren; Genossenschaften und Gewerkschaften; Anfänge der
Sozialgesetzgebung.

  Liberalismus als geistige Kraft und Weltanschauung.

  Zielsetzungen der Revolutionen des Jahres 1848.

  Nationsbegriff und nationale Ideologien.

  Nationale Einigungsbestrebungen und Entstehen neuer
Nationalstaaten.

  Nationalismus und Kapitalismus als Grundlagen des Imperialismus;
planmäßige Ausbreitung der europäischen Herrschaft in Afrika und
Asien; die Europäisierung der Erde.

  Aufstieg außereuropäischer Großmächte: USA und Japan.

  Niedergang Chinas.

  Zerfall des Osmanischen Reiches.

2. Österreich 1848 bis 1914

Lernziele:
- Verstehen von Zusammenhängen zwischen außenpolitischen Vorgängen
  und innenpolitischen Entwicklungen.
- Verstehen der Probleme eines Vielvölkerstaates.
- Erfassen der Entwicklung und des Weiterwirkens politischer,
  wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Grundstrukturen.

Lerninhalte:

  Die außenpolitische Entwicklung Österreichs.

  Entwicklung der Verfassung.

  Nationalitätenfrage; der Ausgleich mit Ungarn.

  Industrialisierung und soziale Probleme.

  Entwicklung des Wahlrechts; Entstehung der politischen Parteien und
der Interessensverbände.

  Kulturelle Leistungen.

3. Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit

Lernziele:
- Erkennen der Ursachen für die Erschütterung der Vorrangstellung
  Europas.
- Verstehen der krisenhaften Erscheinungen im wirtschaftlichen,
  sozialen und politischen Bereich während der Zwischenkriegszeit.

Lerninhalte:

  Ursache des Ersten Weltkrieges; politische und gesellschaftliche
Veränderungen während der Kriegsjahre; die Friedensschlüsse und ihre
Folgen.

  Oktoberrevolution und Sieg des Kommunismus in Rußland; die
Desintegration Europas in der Zwischenkriegszeit; Idee und
Wirklichkeit des Völkerbundes; die USA; die Weltwirtschaftskrise und
ihre Auswirkungen.

4. Österreich 1918 bis 1938

Lernziele:
- Erkennen der Bedeutung weltanschaulicher Gegensätze, des
  politischen Machtstrebens und unterschiedlicher
  Wirtschaftsauffassungen für die Entwicklung des Staatswesens.
- Erfassen der Ursachen für das fehlende Staatsbewußtsein und für die
  Abhängigkeit vom Ausland.
- Erfassen der Diskrepanz zwischen der krisenhaften
  poltisch-wirtschaftlichen Entwicklung und den bedeutenden
  kulturell-wissenschaftlichen Leistungen.

Lerninhalte:

  Auflösung der Donaumonarchie und Kampf um das Staatsgebiet; die
demokratische Republik und die neue Verfassung; Wirtschaftsprobleme;
Kultur der Zwischenkriegszeit; die politischen Parteien;
Radikalisierung des politischen Lebens; Austromarxismus und
Austrofaschismus; Bürgerkrieg; Ständestaat; der Untergang
Österreichs.

5. Diktatorische Systeme und Zweiter Weltkrieg

Lernziele:
- Erkennen der unterschiedlichen Ursachen für die Entwicklung
  autoritärer und totalitärer Ideologien und Herrschaftssysteme.
- Erkennen der Denk- und Verhaltensweisen, die das friedliche
  Zusammenleben der Menschen und Völker gefährden.
- Erfassen der Ursachen und Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges.

Lerninhalte:

  Die Krise der bürgerlichen Gesellschaft.

  Faschismus in Italien; Nationalsozialismus in Deutschland;
Stalinismus in der Sowjetunion; Gemeinsamkeiten und Unterschiede
verschiedener autoritärer und totalitärer Systeme.

  Vorstufen des Zweiten Weltkrieges; Expansionspolitik Japans und
Italiens, der spanische Bürgerkrieg, Phasen der aggressiven
Außenpolitik Deutschlands.

  Ursachen und Verlauf des Zweiten Weltkrieges; Verfolgungen und
Massenvernichtungen; Freiheits- und Widerstandsbewegungen.

8. Klasse (2 Wochenstunden):

1. Weltpolitik und Staatenwelt seit 1945

Lernziele:
- Gewinnen von kritischen Einsichten in die Wechselbeziehungen der
  Völker und Staaten.
- Erfassen der Divergenz zwischen der Entwicklung zu ,,Einer Welt''
  und ,,Einer Menschheit'' unter dem Zustand der geteilten Welt.
- Erkennen der Ursachen für die Integrationsbestrebungen europäischer
  Staaten.
- Erkennen des Interessenskonfliktes zwischen Entwicklungsländern und
  Industriestaaten.
- Erfassen der Veränderungen im weltpolitischen System.
- Erkennen der Gründe für die Krisenanfälligkeit der gegenwärtigen
  Welt.

Lerninhalte:

  Das Völkerrecht und seine Bedeutung.

  Die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen;
Flüchtlingsprobleme; die Teilung Europas; der Kalte Krieg; das
Gleichgewicht des Schreckens und die Politik der Koexistenz;
Militärbündnisse und Wirtschaftsgemeinschaften.

  Weltweite und europäische Integrationsbestrebungen; Formen der
politischen Zusammenarbeit.

  Innere Probleme der westlichen Demokratien und der Volksrepubliken
in Europa.

  Emanzipationsbewegungen in Asien, Afrika und Lateinamerika;
Entkolonisierung; religiöser Fundamentalismus; wirtschaftliche und
politische Probleme der Entwicklungsländer; Formen der
Entwicklungshilfe.

  Krisenherde der Weltpolitik.

2. Österreich: Die Zweite Republik

Lernziele:
- Erfassen der Ursachen für die Entwicklung eines
  Österreichbewußtseins.
- Erkennen der Vor- und Nachteile von Konzentrations-, Koalitions-
  und Alleinregierungen.
- Erkennen der sozialen Strukturen und politischen Machtverhältnisse
  in ihrer historischen Bedingtheit.
- Kennenlernen einiger wichtiger Prinzipien des österreichischen
  Verfassungs- und Verwaltungsrechtes.
- Gewinnen von Einblicken in die österreichische Rechtsordnung und
  ihre Bedeutung für den einzelnen.

Lerninhalte:

  Österreich unter nationalsozialistischer Herrschaft; der
österreichische Widerstand; geistige Neuorientierung; die
Wiedererrichtung des österreichischen Staates.

  Der wirtschaftliche Wiederaufbau; die Große Koalition; der
Staatsvertrag; die österreichische Neutralitätserklärung unter dem
Aspekt des Völkerrechtes; Neutralitätspolitik und Umfassende
Landesverteidigung; Sozialpartnerschaft und wirtschaftlicher
Aufstieg.

  Alleinregierungen und Koalitionen seit 1966; Fortbestand und Krisen
der Sozialpartnerschaft; Bundes- und Landespolitik; Österreichs
Stellung in Europa und in der Welt.

  Die verfassungsrechtliche Ordnung und der faktische Vorgang
politischer Entscheidungen; Rolle der Opposition; Bedeutung, Aufbau
und Leistungen der Verwaltung.

  Rechtliche Vorgänge im Alltagsleben.

3. Gesellschaftliche und politische Probleme unserer Zeit

Lernziele:
- Erkennen des Wandels in der Situation des Menschen unter den
  Bedingungen des 20. Jahrhunderts.
- Verstehen wichtiger politischer Anliegen in der heutigen
  Demokratie.
- Erkennen der Notwendigkeit politischer Mitwirkung und
  Mitverantwortung.
- Gewinnen von Einsichten in die Bedingungen der Friedenssicherung.

Lerninhalte:

  Wandel der Familienstruktur. Massenbewegungen,
Kollektivierungstendenzen und Gegenströmungen; Bedeutung der
Massenmedien. Die Zweite industrielle Revolution und ihre möglichen
Auswirkungen; Ambivalenz der wissenschaftlichen und technischen
Entwicklung; Arbeitswelt und Freizeit; Ausweitung des Bildungswesens;
Einsichten in die Grenzen des Wachstums; Verantwortung für die
Umwelt; Kulmination und Krise der Fortschrittsideologie.

  Kultureller Wertwandel; Impulse des Vaticanum II; neue Linke;
Bildung von Kleingruppen und Subkulturen. Gefahren des Weiterlebens
faschistischer Tendenzen.

  Menschen- und Bürgerrechte und die Probleme ihrer Durchsetzung;
Probleme der Minoritäten; Überwindung von Diskriminierungen;
Frauenemanzipation und Partnerschaft.

  Formen der rechtsstaatlichen Demokratie; Tendenzen zur
Bürokratisierung; Verhältnis von Gruppeninteressen und
Gesamtinteresse; Formen der politischen Mitwirkung und
Mitverantwortung; Bedeutung der Gemeindepolitik; Gefährdung der
Demokratie durch extremistische Gruppen.

  Möglichkeiten des Abbaues von Gewalt zwischen den Menschen,
Gruppen, Völkern und Staaten; Rüstungskontrollverhandlungen und
Friedensbewegungen; Friedensgefährdung im nuklearen Zeitalter.

4. Wiederholung in Längs- und Querschnitten

Lernziele:
- Festigen historischer und sozialkundlicher Kenntnisse.
- Vertiefen gewonnener Einsichten.

Lerninhalte:

  Ausgewählte Themen aus dem gesamten Lehrstoff der Oberstufe mit
besonderer Berücksichtigung der Sozialkunde.

Didaktische Grundsätze:

  Der Geschichts- und Sozialkundeunterricht auf der Oberstufe darf
weder ein zweiter Durchgang der auf der Unterstufe gebotenen
Lerninhalte sein, noch soll er chronologische Vollständigkeit
anstreben. Vielmehr soll er in einzelnen Themenkreisen und durch
Setzung von Schwerpunkten unter Anwendung des exemplarischen Prinzips
die Stellung des Menschen in der Gesellschaft während verschiedener
Epochen unter Beachtung der jeweils dominierenden politischen,
wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Kräfte zeigen.

  Es ist die Bedeutung der geistigen Grundhaltungen und der
jeweiligen Entwicklungshöhe von Wissenschaft, Kultur und Zivilisation
für die Formung des Menschen herauszuarbeiten und die Interdependenz
zwischen sich daraus ergebendem Weltbild und sozialem, politischem,
wirtschaftlichem und rechtlichem Handeln deutlich zu machen.
Grundsätzlich soll dabei ein auf Europa eingeengtes
Geschichtsverständnis überwunden, die Geschichte Österreichs
einschließlich regionaler Entwicklungen ausreichend behandelt und die
Zeitgeschichte besonders berücksichtigt werden.

  Die Themenkreise in den einzelnen Klassen sind in Lernziele und
Lerninhalte gegliedert. Dabei kommt den Lernzielen vorrangige
Bedeutung zu, weil sie die Sichtweise festlegen, unter der die
Lerninhalte auszuwählen und zu behandeln sind. Ein Lernziel kann
mehrere Lerninhalte umfassen. Dem Lehrer bleibt es überlassen,
Lernziele und Lerninhalte zu gewichten, die für die Erreichung der
Lernziele vorgegebenen Lerninhalte auszuwählen und allenfalls, soweit
es die Unterrichtszeit ermöglicht, zusätzliche Lerninhalte
einzubringen.

  Zur Stärkung des Interesses und der Mitarbeit der Schüler sollen
nach Möglichkeit das Alltagsleben der jeweiligen Epoche sowie die
eigene Heimat berücksichtigt werden.

  Um die Schüler zu befähigen, einen Überblick über den historischen
Ablauf zu gewinnen und ihnen die Einordnung der Lerninhalte in die
einzelnen Themenkreise zu erleichtern, soll jeweils eine Übersicht
über die zu behandelnden Zeitabschnitte gegeben werden. Diese muß auf
den Kenntnissen der Unterstufe aufbauen und gemäß der neuen
Aufgabenstellung vertieft werden. Dabei ist es notwendig,
Entwicklungen und Zusammenhänge - auch der gesellschaftlichen
Strukturen - hervorzuheben und übersichtlich darzustellen. Für die
Erarbeitung und die wiederholende Zusammenfassung historischer und
sozialkundlicher Themen, wie sie besonders in der obersten Klasse
angebracht sind, empfehlen sich in allen Klassen Längs- und
Querschnitte. Auch die Möglichkeit eines projektorientierten
Unterrichts ist gegeben.

  Durch Verwendung von Quellen und audio-visuellen Hilfsmitteln sind
die Lerninhalte anschaulich und lebensnah zu gestalten. Exkursionen
zu historischen Stätten sowie der Besuch von Ausstellungen und Museen
dienen darüber hinaus einem vertieften Verständnis einzelner
historischer Epochen. Die Auswahl der Methoden obliegt dem Lehrer.
Der Unterricht soll gegenwartsbezogen sein und zur politischen
Bildung beitragen.

Querverbindungen:

Deutsch:

- Texte im politischen, sozialen, kulturellen und literarischen
  Kontext,
- Rolle der Literatur in der Gesellschaft des Mittelalters, des
  Humanismus und der Barockzeit (politische, soziale, kulturelle und
  literarische Dimensionen),
- die Aufklärung (geistige, politische, soziale, ökonomische
  Grundlagen),
- Zusammenhänge zwischen literarischer Aussageform und
  geschichtlicher Situation,
- Einblicke in die Literatur zwischen 1789 und 1914 und von 1914 bis
  zur Gegenwart,
- Textanalysen in bezug auf Entstehungsbedingungen,
- Stellungnahme zu Sachverhalten und Problemen.

Lebende Fremdsprachen:

  Gesellschaft, Menschenrechte, Politische Parteien, Demokratie ua.;
historische Ereignisse, die die politische, wirtschaftliche,
gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung der Welt entscheidend
beeinflußt haben.

Latein, Griechisch:

- politische Methoden einer Weltmacht,
- Ausdehnung des römischen Machtbereiches,
- Austria Romana,
- Römischer Kulturbereich und Romanisierung,
- philosophisches Bemühen der Antike um Weltbild und Lebensordnung,
- Auseinandersetzung mit staatstheoretischen Fragen,
- Ringen der Griechen um Weltbild und Weltanschauung.

Geographie und Wirtschaftskunde:

- Wirkungsgefüge und Dynamik von Raum, Wirtschaft, Gesellschaft,
- wirtschaftliche und politische Entscheidungen,
- Vorbereitung auf Mitverantwortung in der Gesellschaft und
  Bewältigung der zukünftigen Lebenssituation.

Bei folgenden Themenkreisen empfiehlt sich eine enge Zusammenarbeit:

- Bevölkerungs- und Gesellschaftsstrukturen (Entwicklung und
  Veränderung),
- wirtschaftliche Bedürfnisse,
- Prozesse der Industrialisierung,
- die Stadt als Ausdruck wirtschaftlicher und gesellschaftlicher
  Entwicklungen,
- demographische und gesellschaftliche Entwicklungen Österreichs,
- Wirtschafts- und Sozialpolitik Österreichs,
- Fragen der europäischen Integration,
- globale Disparitäten,
- Wahrnehmung von Völkern und Staaten.

Mathematik:

  Statistik.

Biologie und Umweltkunde, Chemie, Physik:

  Umwelt- und Technikprobleme.

Psychologie und Philosophie:

  zB der einzelne und die Gemeinschaft, Freiheit und Ordnung, Ethik.

Musikerziehung:

  Musik und Gesellschaft

- öffentliche Meinung, Trends und Ideologien, Einflußnahme
  öffentlicher und privater Institutionen,
- Stellung des Musikers in verschiedenen Gesellschaftsformen und
  Rückwirkungen auf sein Schaffen,
- Bedeutung von Musik im Gemeinschaftsleben,
- Wechselbeziehung zwischen abendländischer Musik und der Musik
  außereuropäischer Kulturen,
- Musik als Ausdruck von Lebensgefühl und politischem Bewußtsein.

Bildnerische Erziehung:

- Verhältnis von Wirklichkeit und Darstellung,
- Entstehungsbedingungen von Werken,
- Wandelbarkeit historisch und gesellschaftlich bedingter Funktionen
  von Werken,
- Kunstwerke in das Gesamtbild einer Kultur einordnen und
  stilgeschichtliche Zusammenhänge kennenlernen.

Religion:

- Geschichtliche Bezüge des Alten Testaments,
- Kirchengeschichte,
- Religion als Menschheitsphänomen,
- Grundstrukturen der außerchristlichen Weltreligionen,
- säkulare Welt als Herausforderung für das Handeln des Gläubigen.

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