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 Wahlpflichtgegenstand Lebende Fremdsprache (vertiefend)

Zweite lebende Fremdsprache

Serbokroatisch

 Allgemeiner Teil des Lehrplans


Bildungs- und Lehraufgabe:

  Der Unterricht in Serbokroatisch soll zum Erreichen der folgenden
Ziele beitragen, die sowohl fachspezifische als auch
fächerübergreifende Aspekte enthalten:

1. Beherrschung sprachlicher Fertigkeiten:

Die Schüler sollen imstande sein, die serbokroatische Sprache
mündlich und schriftlich als adäquates Verständigungsmittel zu
benützen und Informationen aus den Bereichen des gesellschaftlichen,
kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Lebens zu verstehen und
zu verarbeiten. Dazu ist in erster Linie die Entwicklung der vier
sprachlichen Grundfertigkeiten erforderlich.

Hörverstehen:

  Die Schüler sollen authentisches, stilistisch neutrales
Serbokroatisch verstehen, das in mittlerem Sprechtempo übermittelt
wird.

Sprechen:

  Die Schüler sollen imstande sein, sich mündlich in den Situationen
des Unterrichts und Alltags intentionsgemäß auszudrücken.

Leseverstehen:

  Die Schüler sollen schriftlich vorliegende serbokroatische
Originaltexte verstehen.

Schreiben:

  Die Schüler sollen den schriftlichen Gebrauch der serbokroatischen
Sprache in einem Ausmaß beherrschen, das den Erfordernissen des
Unterrichts und des Alltags gerecht wird und ihnen erlaubt, sich
entsprechend auszudrücken.

2. Einsichten in das Funktionieren von Sprache als Mittel der
Kommunikation:

  Die Schüler sollen die Einsicht erhalten, daß Kommunikation
situativ ist und daß bestimmte Situationen bestimmte sprachliche
Strukturen erfordern. Weiters sollen sie Einsicht in die sprachlichen
Strukturen des Serbokroatischen erhalten und die wesentlichen
Unterschiede zwischen dem Serbokroatischen und dem Deutschen sowie
anderen gelernten Sprachen erkennen.

3. Kenntnisse aus ausgewählten Bereichen der Landes- und Kulturkunde
Jugoslawiens:

  Die Schüler sollen - im Sinne einer Erziehung zu europäischer
Gesinnung und Weltoffenheit - in der Fremdsprache bewältigbare,
fachübergreifende und altersadäquate Kenntnisse über Jugoslawien und
seine Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart
erwerben. Aus der Beschäftigung mit Fragen der Landes- und
Kulturkunde sollen sie befähigt werden, Ähnlichkeiten und
Unterschiede zwischen Österreich und Jugoslawien differenziert
betrachten, sich mit einer anderen Gesellschaftsordnung
auseinandersetzen zu lernen und dadurch mögliche Vorurteile und
Klischeevorstellungen zu korrigieren.

4. Beherrschung grundlegender Lern- und Arbeitstechniken:

  Die Schüler sollen lernen, die für den Spracherwerb und die
Sprachausübung vorhandenen Hilfsmittel, insbesondere das Wörterbuch,
sowie grundlegende Lern- und Arbeitstechniken sachgerecht und
selbständig einzusetzen.

Lehrstoff:

5. Klasse (4 Wochenstunden):

Lernziele:

Hörverstehen:

  Verstehen von authentischem, stilistisch neutralem Serbokroatisch,
das in mittlerem Sprechtempo übermittelt und zur Bewältigung
einfachster Alltagssituationen eingesetzt wird, die im Unterricht
erarbeitet wurden.

Sprechen:

  Bewältigen von im Unterricht erarbeiteten einfachsten
Grundsituationen des Alltagslebens; Wiederholen von Gelesenem und
Gehörtem.

Leseverstehen und Lesen:

  Verstehen einfachster kurzer Texte.

Schreiben:

  Schriftliches Bewältigen der sich aus dem Unterricht ergebenden
Aufgaben sowie der einfachsten im Unterricht erarbeiteten
Grundsituationen des Alltagslebens.

Lerninhalte:

Kommunikationssituationen und Themenbereiche:

  Themen und Situationen aus der unmittelbaren Umwelt des Schülers
(zB Personalien, Familie, Tagesablauf, Haus und Wohnung usw.)

  Themen und Situationen, die sich im Unterricht ergeben

  Themen und Situationen, die allmählich in die Kenntnis von Land und
Volk Jugoslawiens einführen (Lieder und Gedichte)

Sprachliche Mittel:

  Orthoepie:

  Grundlage der serbokroatischen Artikulation mit besonderer
Berücksichtigung der dem Deutschen fremden Laute (besonders der
Konsonanten c, d, dz, z, lj, nj) und der Eigenart der
serbokroatischen Aussprache. Die Opposition stimmlos - stimmhaft.
Systematische Hör- und Ausspracheübungen mit gebräuchlichem Wort- und
Phrasenmaterial.

Schrift und Orthographie:

  Einführung in die Rechtschreibung des Serbokroatischen mit
besonderer Beachtung der diakritischen Zeichen in Schreib- und
Druckschrift.

Wortschatz:

Grundlegender Wort- und Phrasenschatz.

Grammatik:

  Einfacher Satz (Behauptung, Frage, Verneinung); Geschlechtsregeln;
regelmäßige Deklination des Nomen (Substantivs), gebräuchlichste
unregelmäßige Formen; das bestimmte und das unbestimmte Adjektiv;
Deklination des Adjektivs; Adverb; Steigerung des Adjektivs und des
Adverbs; Deklination der persönlichen, fragenden und
besitzergreifenden Pronomen; die Grund- und Ordnungszahlwörter; die
gebräuchlichsten Präpositionen und Konjunktionen; Konjugation der
regelmäßigen Verben in den Hauptzeiten, häufigste unregelmäßige
Formen; Einführung in die Aspekte; Wortfolge; Uhrzeit, Datum, Alter.

  Querverbindungen: Deutsch (Strukturen der Grammatik, Rolle der
Grundwortarten); gegebenenfalls Latein (Grammatik), Erste lebende
Fremdsprache (Grammatik).

Schriftliche Arbeiten:

  Schul- und Hausübungen.

  Schularbeiten.

6. Klasse (3 Wochenstunden):

Lernziele:

Hörverstehen:

  wie in der 5. Klasse; Bewältigung weiterer einfacher
Alltagssituationen, die im Unterricht erarbeitet wurden.

Sprechen:

  wie in der 5. Klasse; Bewältigen weiterer einfacher
Alltagssituationen, die im Unterricht erarbeitet wurden; Wiedergeben
und Zusammenfassen von Gehörtem und Gelesenem, Versuche im Berichten
von Selbsterlebtem und Beobachtetem.

Leseverstehen und Lesen:

  Verstehen einfacher, nicht zu langer Texte, einfache Formen des
Globalverstehens; Gebrauch des Wörterbuches.

Schreiben:

  wie in der 5. Klasse; Zusammenfassen von Gelesenem und Gehörtem;
Verfassen von einfachen zusammenhängenden Texten.

Lerninhalte:

Kommunikationssituationen und Themenbereiche:

  Vertiefung der Themen und Situationen aus der 5. Klasse, weitere
Themen und Situationen (zB Freizeit, Interessen, Reisen ...).

  Weitere Themen und Situationen, die sich im Unterricht ergeben.

  Themen und Situationen, mit denen Besucher Jugoslawiens
konfrontieren werden können und die die Kenntnis von Land und
Völkern Jugoslawiens erweitern.

Sprachliche Mittel:

  Orthoepie und Orthographie:

  Festigung der Aussprache durch planmäßige Übungen; Einführung in
die Rechtschreibung des Serbischen.

Wortschatz:

  Erweiterung des grundlegenden Wort- und Phrasenschatzes.

Grammatik:

  Weitere Ausnahmen und Ergänzungen zur Deklination der Nomen und
Adjektive; Deklination der Numeralia und der noch nicht behandelten
Pronomen; weitere Präpositionen und Konjunktionen; Ergänzung der
Konjugation, besonders der Zeitformen; Partizipien; verschiedene
Arten der Möglichkeitsform; weitere Gruppen häufiger Verben sowie
ihre Aspekte und Rektion; wichtige Arten der Nebensätze; direkte und
indirekte Rede.

  Querverbindungen: Deutsch, gegebenenfalls Latein (Grammatik) und
Erste lebende Fremdsprache (Grammatik).

Schriftliche Arbeiten:

  Schul- und Hausübungen.

  Schularbeiten.

7. und 8. Klasse (je 3 Wochenstunden):

Lernziele:

Hörverstehen:

  Verstehen von Gesprächen und Diskussionen, Berichten und
Stellungnahmen in authentischem, stilistisch neutralem
Serbokroatisch, das in mittlerem Sprechtempo übermittelt wird.

Sprechen:

  Differenzierte Ausdrucksfähigkeit in den Situationen des Alltags
und beim Wiedergeben und Zusammenfassen von Gehörtem, Gelesenem,
Erlebtem und Gesehenem, bei Kommentaren und Stellungnahmen sowie bei
Information und Diskussion.

Leseverstehen und Lesen:

  Verstehen nicht zu schwieriger Originaltexte (Globalverstehen, an
Schlüsselstellen Detailverstehen); sinngemäßes, phonetisch
richtiges Lesen.

Schreiben:

  Differenziertere Ausdrucksfähigkeit bei Information, Erzählen von
Handlungsabläufen, Darstellen von Problemen, Wiedergeben und
Zusammenfassen von Texten, Kommentaren und persönlichen
Stellungnahmen; stichwortartige Notizen zu Hörtexten.

Lerninhalte:

Kommunikationssituationen und Themenbereiche:

  Erweiterung und Vertiefung der Themen und Situationen aus dem
Alltagsleben.

  Erweiterung und Differenzierung jener Themen und Situationen, mit
denen Besucher Jugoslawiens konfrontiert werden können und die die
Kenntnis von Land und Völkern Jugoslawiens erweitern.

  Auseinandersetzung mit aktuellen Themen (zB der einzelne und die
Gesellschaft, Jugend, Umwelt, Erziehung und Bildung,
Freizeitgestaltung und -bewältigung ...).

Lektüre:

  Texte, vor allem aus den Massenmedien, mit Bezug zum Zeitgeschehen
und Alltagsleben; Proben aus Lyrik, Epik und Dramatik des 19. und 20.
Jahrhunderts mit besonderer Würdigung der Volkspoesie, auch der
älteren; mindestens ein bedeutendes literarisches Werk. Darstellung
staatlicher und gesellschaftlicher Einrichtungen sowie
wirtschaftlicher und sozialer Probleme Jugoslawiens. Moderne
Kurzgeschichten. Gelegentlich auch Vergleich der Bezeichnungen
österreichischer und jugoslawischer staatlicher und wirtschaftlicher
Einrichtungen.

  Querverbindungen: gegebenenfalls Geschichte und Sozialkunde (7.
Klasse: 1. Weltkrieg und Zwischenkriegszeit), Empfehlung und
Förderung von Privatlektüre.

Sprachliche Mittel:

Orthoepie:

  Verfeinerung und Differenzierung des bisher Gelernten.

Orthographie:

  wie bisher

Grammatik:

  Sprachlehre: Vertiefung, Wiederholung und Zusammenfassung im
Anschluß an die Lektüre und an den Gesprächsunterricht.

Schriftliche Arbeiten:

  Schul- und Hausübungen

  Schularbeiten.

Didaktische Grundsätze:

1. Beherrschung sprachlicher Fertigkeiten:

  Zur Erreichung des Zieles ist ein ausgewogener Einsatz aller
Unterrichtsträger, das sind Lehrer, Lehrbücher, Lehrbehelfe und
Medien, erforderlich. Besonders die Tonträger dürfen nicht
vernachlässigt werden, damit eine Vielfalt von muttersprachlichen
Sprechern in den Unterricht eingebracht wird. Das von diesen
Unterrichtsträgern dargebotene Serbokroatisch hat sich an der
gehobenen Umgangssprache zu orientieren und soll der authentischen
Gegenwartssprache entsprechen. Demzufolge sind die aus didaktischen
Gründen erstellten Texte bald durch dem Lernfortschritt entsprechend
adaptierte Originaltexte zu ersetzen, die allmählich zu authentischen
Originaltexten hinführen.

  Im Unterricht sollen Lehrer und Schüler sich vorwiegend des
Serbokroatischen bedienen. Der Gebrauch der deutschen Muttersprache
ist möglichst auf die folgenden Fälle zu beschränken:

- Erklärung schwieriger grammatischer, lexikalischer und
  idiomatischer Erscheinungen
- Klärung von Kommunikationssituationen und Stellung von
  Arbeitsanleitungen (besonders im Anfangsunterricht)
- Erklärung schwieriger Fragen der Landes- und Kulturkunde
- Strukturvergleich beider Sprachen (fallweises Übersetzen)
- Übungs- und Prüfungszwecke (fallweises Übersetzen)
- Überprüfung des Globalverstehens (Wiedergabe der Hauptgedanken
  eines Hör- oder Lesetextes).

  Obwohl die vier sprachlichen Fertigkeiten eine Einheit bilden und
nicht isoliert entwickelt werden sollen, ist ihrer verschiedenen
Gewichtung insofern Rechnung zu tragen, als Hörverstehen, Sprechen
und Leseverstehen dem schriftlichen Ausdruck gegenüber etwas Vorrang
haben.

  Nicht nur im muttersprachlichen Bereich ist die sprachliche
Kompetenz in den rezeptiven Fertigkeiten (Hörverstehen,
Leseverstehen) bedeutend höher als in den produktiven Fertigkeiten
(Sprechen, schriftlicher Ausdruck). Auch im Serbokroatischunterricht
wird der Schüler dank seiner allgemeinsprachlichen Kompetenz
bedeutend mehr verstehen als sagen können.

  Die schöpferische, über mechanisches Lernen, Imitation und
Automation hinausgehende Tätigkeit des Schülers ist von allem Anfang
an zu fördern.

Hörverstehen:

  Dem Hörverstehen ist von allem Anfang an große Aufmerksamkeit zu
widmen. Vorrangig wird dabei das Globalverstehen sein. Deshalb sollen
Hörtexte als Ganzheit und in mittlerem Sprachtempo geboten werden.
Dabei soll auch die Fähigkeit entwickelt werden, sprachlich
Unbekanntes aus dem Zusammenhang zu verstehen. In weiterer Folge wird
auch Detailverstehen zu entwickeln sein. Dabei ist zu beachten, daß
dem Schüler im voraus die entsprechenden Fragen vorzulegen sind.
Damit der Schüler lernt, verschiedene Sprecher (vor allem
Muttersprachige) zu verstehen, sollen möglichst oft Tonträger
eingesetzt werden.

  Richtiges Wahrnehmen des Lautsystems der Fremdsprache ist
Voraussetzung für das eigene orthoepisch richtige Sprechen. Durch
regelmäßiges Bewußtmachen des Unterschiedes zwischen
muttersprachlicher und fremdsprachlicher Lautung sollen die Schüler
lernen, jene für das Serbokroatisch wichtigen lautlichen
Erscheinungen zu unterscheiden, die es in der Muttersprache entweder
nicht gibt oder die darin keine sinntragende Funktion haben. Dazu
gehören insbesondere: die Opposition stimmlos - stimmhaft, die
regressive Assimilation und das neustokawische Akzentsystem. Übungs-
und Überprüfungsformen sind unter anderem: Aufträge ausführen,
multiple-choice-Verfahren, Wiedergeben und Zusammenfassen von Texten.

Sprechen:

  In der Entwicklung der Fertigkeit ,,Sprechen'' wird naturgemäß
zunächst die imitative Phase die erste Stelle einnehmen. Es muß ihr
aber die gestaltende Phase folgen, die es dem Schüler gestattet, sich
seinen eigenen Bedürfnissen gemäß auszudrücken. In diesem
Zusammenhang ist besonders darauf zu achten, daß Übungen, die
schwierige grammatische und lexikalische Probleme betreffen, über
,,Formalübungen'' hinaus zu kommunikationsorientierten Übungen
hinführen. Zielsetzung ist das Sprachkönnen, nicht das Wissen über
die Sprache.

  Voraussetzung für das Funktionieren von Sprache als
Kommunikationsmittel ist die Verständlichkeit. Ziel dabei ist eine
möglichst hohe Sprachrichtigkeit in Lexik und Grammatik, aber auch in
Aussprache und Intonation. Besonderes Augenmerk ist dabei auf jene
Aspekte der serbokroatischen Orthoepie zu legen, die bereits unter
dem Punkt ,,Hörverstehen'' angeführt wurden. Eine schwierige, aber
wichtige Aufgabe besteht darin, die Schüler zur Eigenkontrolle ihrer
Aussprache zu bringen. Eine wichtige Hilfe bei der Entwicklung der
Fertigkeit ,,Sprechen'' ist regelmäßiges Training des Hörverstehens.
Bei der Vermittlung von neuem sprachlichem Material soll besonders im
Anfangsunterricht nicht das Schriftbild, sondern die Lautgestalt im
Vordergrund stehen.

  Ebenso wichtig ist es, von allem Anfang an ein mittleres
Sprachtempo anzustreben.

  Ein wichtiges Prinzip bei der Entwicklung der Fertigkeit
,,Sprechen'' besteht darin, daß der Gesprächsinhalt die Schüler
intellektuell weder über- noch unterfordert und ihren Interessen
entspricht.

  Übungs- und Überprüfungsformen sind unter anderem: Stellen und
Beantworten von Fragen und adäquates Reagieren; Anwenden des
Gelernten in ähnlichen oder neuen Situationen; kurze Redeübungen;
Klassengespräche zu erarbeiteten Inhalten; Verbalisieren von
Bildgeschichten; Wiedergeben von Gelesenem, Gehörtem, Gesehenem und
Erlebtem; Zusammenfassen, Kommentieren und Stellungnehmen.

Leseverstehen:

  Zur Schulung des Leseverstehens sind Lesetexte heranzuziehen, die
den Interessen, der Reife und dem sprachlichen Können der Schüler
entsprechen und so die Freude am Lesen fördern. Anzustreben sind
Originaltexte; der Weg dazu führt über vereinfachte adaptierte und
kommentierte Texte. Wegen seiner praktischen Verwertbarkeit auch
außerhalb des Unterrichts kommt dem stillen Lesen mit dem Ziel des
globalen Verstehens große Bedeutung zu. Im Unterricht wird zwischen
dem lauten und stillen Lesen zu unterscheiden sein. Das laute Lesen
dient in der Regel nicht der Entwicklung des Leseverstehens, sondern
der Schulung und Korrektur der Aussprache und Intonation. Die
cyrillische Schrift sollte nur an bereits bekannten Texten und nach
Anhören eines Modells (Tonträger, Lehrer ...) geübt werden.

  Das stille Lesen ist der Normalfall des Kontaktes mit schriftlichen
Texten und muß daher im Unterricht entsprechend geübt werden.

  Ziel des Lesens ist in der Regel Globalverstehen. Damit soll die
Fähigkeit entwickelt werden, sprachlich Unbekanntes aus dem
Zusammenhang zu verstehen. Ein Eingehen auf jedes Detail hemmt die
Motivation und widerspricht einer ökonomischen Unterrichtsführung.
Das schließt jedoch nicht aus, daß je nach Textsorte und Teillernziel
auch Detailverstehen und genaue Übersetzung gefördert werden können.
Die Überprüfung des Leseverstehens soll aber im allgemeinen nicht
durch Übersetzen erfolgen, sondern durch Fragen, Lückentexte,
Zusammenfassungen, Nacherzählungen, Erarbeiten des Hauptgedankens in
mündlicher und schriftlicher Form. Die Entwicklung des Leseverstehens
ist nicht Selbstzweck. Sie ist immer mit der Entwicklung der anderen
sprachlichen Fertigkeiten verbunden und erweitert dadurch das
sprachliche Können.

  Leseverstehen bringt Sachinformation, konfrontiert die Schüler mit
Einsichten und Haltungen und kann dadurch zu einem wichtigen Faktor
der Motivation werden.

Schreiben:

  Der schriftliche Gebrauch des Serbokroatischen richtet sich
einerseits nach den Erfordernissen des Unterrichts (Schreiben ohne
Kommunikationssituation) und andererseits nach möglichen
Schreibanlässen in Kommunikationssituationen. Zu den Erfordernissen
des Unterrichts gehört auch das Erlernen der cyrillischen Schrift.

  Zu den möglichen Schreibanlässen in Kommunikationssituationen
zählen neben Briefen, Ansichtskarten, Einladungen und Formularen auch
solche Texte, die in dieser Form voraussichtlich keine praktische
Anwendung durch die Schüler im Alltag finden werden, wie zB:
Nacherzählungen, Zusammenfassungen und Kommentare, persönliche
Stellungnahmen, Aufsätze, Verfassen von Bildgeschichten, Verfassen
von Texten (ausgehend von Bildern oder Impulstexten), Notizen zu Hör-
und Lesetexten.

2. Einsichten in das Funktionieren von Sprache als Mittel der
Kommunikation

  Die serbokroatische Sprache ist im Gegensatz zum Englischen und
Französischen eine synthetische Sprache, die sich in der Grammatik
durch großen Formenreichtum auszeichnet. Das ermöglicht in besonderer
Weise Einsichten in das Funktionieren einer Sprache überhaupt und
fordert oft den Vergleich mit der Muttersprache und anderen
Fremdsprachen heraus. So gesehen, bedeutet die Beschäftigung mit dem
Serbokroatischen eine intensive sprachliche Schulung, wobei die
formalen Aspekte der Sprache aber nicht Selbstzweck sein dürfen,
sondern immer in Hinblick auf deren kommunikative Funktion zu sehen
sind. Das Funktionieren von Sprache ist den Schülern jeweils anhand
des sprachlichen Lernmaterials zu verdeutlichen. Das kann einerseits
durch die Gegenüberstellung verschiedener grammatischer und
lexikalischer Strukturen für dieselbe Aussage im Serbokroatischen
Deutschen bzw. in einer anderen den Schülern bekannten Sprache
geschehen, anderer seits auf einer höheren Lernstufe durch die
Gegenüberstellung verschiedenartiger grammatischer und lexikalischer
Strukturen zum Ausdruck gleicher oder ähnlicher Inhalte im
Serbokroatischen selbst.

  Der Formenreichtum des Serbokroatischen darf jedoch nicht zu einem
Unterricht führen, der nur aus sprachformalem Training besteht. Das
Ziel des Unterrichts ist die Kommunikationsfähigkeit. Grammatische
Phänomene dürfen nicht allein deskriptiv dargestellt werden, sondern
sollen von den Schülern als sinnvolle Bereicherung ihres
Ausdrucksvermögens angesehen werden. Das ist in der Regel dann der
Fall, wenn einerseits von einer konkreten Situation ausgegangen wird,
andererseits das grammatische Phänomen in seiner Funktion dargestellt
wird. Der Phase des Einübens des isolierten Phänomens
(nichtkommunikative Phase) muß unbedingt die
kommunikationsorientierte Übungsphase folgen.

  Den Schülern soll anhand des jeweiligen Lernmaterials bewußt
gemacht werden, daß sprachliche Äußerungen von der Situation, in der
sie gemacht werden, abhängig sind. Solche Situationen sollen von
allem Anfang an im Unterricht genützt bzw. simuliert werden, um die
Kreativität der Schüler zu fördern.

3. Kenntnisse aus ausgewählten Bereichen der Landes- und
Kulturkunde Jugoslawiens:

  Da die Sprache eng mit der Kultur eines Volkes verbunden ist, darf
sie auch nicht losgelöst von dieser vermittelt werden. Landes- und
Kulturkunde zieht sich daher als integrierendes Prinzip durch den
ganzen Fremdsprachenunterricht. So falsch es also wäre, eine
Fremdsprache ohne Bezug auf kulturelle Gegebenheiten zu vermitteln,
so einseitig wäre es aber auch, nur die Kultur des fremden Volkes
bzw. nur des eigenen zu berücksichtigen. Landes- und Kulturkunde soll
also immer komparativ bzw. kontrastiv sein.

  Die Schüler sollen lernen, Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen
Österreich und Jugoslawien im Bereiche der staatlichen,
gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Einrichtungen zu
erkennen, und sollen dadurch zu einer differenzierten Betrachtung der
Zusammenhänge gelangen. Die Schüler werden damit stärker angeregt,
sich mit einer anderen Gesellschaftsordnung und anderen
Wertvorstellungen auseinanderzusetzen. Damit soll es ihnen ermöglicht
werden, etwaige Vorurteile und Klischeevorstellungen, auch im
Zusammenhang mit jugoslawischen Arbeitnehmern in Österreich, zu
korrigieren.

  Von der Beschäftigung mit der Sprache ausgehend, soll
Serbokroatischunterricht in besonderer Weise das Interesse für
Jugoslawien wecken und damit auch die Bereitschaft, sich - über das
Schulische hinausgehend - in weiterem Rahmen über dieses Land zu
informieren. Die Schüler werden umso besser imstande sein, sich mit
den daraus ergebenden Fragen auseinanderzusetzen, je mehr sie fähig
und bereit sind, auch auf authentische Informationsquellen
zurückzugreifen (Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und
Fernsehsendungen, mündliche Berichte und dergleichen).

  Landes- und Kulturkunde einschließlich der Literatur ist ein
Unterrichtsprinzip und kein systematisch zu erarbeitendes
Wissensgebiet. Dem Lehrer bleibt es überlassen, geeignete Texte, Ton-
und Bildmaterial oder sich sonst bietende Anlässe landeskundlich
auszuwerten, wobei eine Streuung über mehrere der Teilbereiche (zB
Geschichte, Geographie, Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, Alltag,
Weltanschauung, Wissenschaft und Bildung, Kunst) erfolgen soll.
Genauso soll die Literatur nicht systematisch, sondern anhand von
Beispielen aus dem literarischen Schaffen des 19. und 20.
Jahrhunderts bis zur Gegenwart vermittelt werden.

4. Beherrschung grundlegender Lern- und Arbeitstechniken:

  Aufgabe des Lehrers wird es sein, den Schülern nicht nur
sprachliche Fertigkeiten zu entwickeln und ihnen Wissen zu
vermitteln, sondern sie auch zum sachgerechten und selbständigen
Einsatz der für den Spracherwerb und die Sprachausübung vorhandenen
Hilfsmittel und Lerntechniken anzuleiten. Die Schüler sollen mit
Hilfe des Lehrers erkennen, wie sie am besten lernen und mögliche
Hilfsmittel am vorteilhaftesten einsetzen. Besonders wichtig ist es
in diesem Zusammenhang auch, die Schüler zum richtigen und
rationellen Gebrauch des Wörterbuches hinzuführen.

5. Die Gestaltung des Serbokroatischunterrichts:

Ziel des Unterrichts ist

- die Erarbeitung und Vermittlung neuer Lerninhalte
- die Sicherung und Anwendung dieser Lerninhalte
- die Kontrolle des Unterrichtsertrages
- die Vermittlung von Techniken zum selbständigen Spracherwerb.

  Da es im Fremdsprachenunterricht in besonderer Weise darauf
ankommt, daß die Schüler in der fremden Sprache selbst aktiv sind,
sind aus der großen Zahl möglicher Unterrichtsformen jene zu
bevorzugen, bei denen die Tätigkeit der Schüler über bloßes Zuhören
und Mitschreiben hinausgeht.

  Das Variieren der Arbeitsformen im Unterricht ist aus sachlogischen
und psychologischen Gründen erforderlich, weil nicht jede
Unterrichtsform zum Erreichen eines bestimmten Teillernzieles
geeignet ist und weil das Interesse der Schüler auch durch
Abwechslung aufrechterhalten werden kann.

  Eine richtige Verteilung und zeitliche Begrenzung der verschiedenen
Unterrichtsphasen ist anzustreben. Die Phase der Erarbeitung und
Vermittlung neuer Lerninhalte soll gut motiviert, klar und kurz sein
und muß in die Phase der Sicherung und Anwendung einmünden, der im
Unterrichtsgeschehen der zentrale Platz zusteht. Unerläßlich sind
dabei regelmäßige mündliche und schriftliche Schul- und Hausübungen
sowie ständiges Wiederholen, auch von weiter Zurückliegendem. Die
Schul- und Hausübungen sind regelmäßig zu korrigieren.

  Folgende Arbeitsformen bieten sich an:

  Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit; Lehrer- Schüler-Gespräch,
Schüler-Schüler-Gespräch, Rollenspiel, szenische Darstellung,
Lehrervortrag, Schülerreferat ...

  Die Arbeitsaufträge müssen stets klar und eindeutig sein, ihre
Erfüllung darf die Schüler weder sprachlich noch inhaltlich
überfordern. Die ständige Kontrolle des Unterrichtsertrages, die
großteils Hand in Hand mit der Sicherung und Anwendung geht, ist auch
zur Selbstkontrolle der Schüler unentbehrlich.

Querverbindungen:

  Querverbindungen zu fast allen Unterrichtsgegenständen sind möglich
und wünschenswert. Sie lassen sich auf der sprachlichen und der
inhaltlichen Ebene realisieren. Auf rein sprachlicher Ebene werden
dem Serbokroatischunterricht jene Grundfertigkeiten, Erfahrungen und
Verfahrenskenntnisse zugute kommen, die die Schüler bei der
Beschäftigung mit anderen Sprachen (Deutsch, Latein, andere lebende
Fremdsprachen) entwickelt haben. Auf inhaltlicher Ebene kann man auf
jenes Wissen zurückgreifen, das die Schüler in den anderen
Unterrichtsgegenständen erworben haben. Die Verwirklichung solcher
Querverbindungen wird in erster Linie von den Themen und Situationen
abhängen, die gerade behandelt werden. In den Lehrstoffangaben werden
mögliche Querverbindungen nur mit jenen Fächern (unter dem Zusatz
,,gegebenenfalls'') angeführt, die explizit auf Gegebenheiten in
Jugoslawien verweisen. Dieser Einschränkung kann und soll aber durch
gemeinsame Unterrichtsplanung mit anderen Unterrichtsgegenständen
entgegengewirkt werden.

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