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Anmerkung: Dieser Lehrplan war bis einschließlich 2007/08 gültig. Seit Beginn des Schuljahres 2008/09 heißt der Gegenstand "Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung" und hat einen neuen Lehrplan.
Allgemeiner Teil des Lehrplans
Bildungs- und Lehraufgabe:
Der Unterricht in Geschichte und Sozialkunde versteht sich als
Begegnung mit der Vergangenheit des eigenen und anderer
Kulturkreise. Er leistet somit einen wichtigen Beitrag zur
Orientierung der Schülerinnen und Schüler in Zeit und Raum und zur
Identitätsfindung in einer pluralistisch verfassten Gesellschaft.
Das Kennenlernen verschiedener Modelle menschlicher Existenz in der
Vergangenheit soll zu Verständnis und Toleranz dem Anderen gegenüber
in der Gegenwart führen.
Grundbereiche und Dimensionen:
Der Unterricht soll sich mit folgenden Grundbereichen der
Geschichte beschäftigen: Politik/Herrschaft, Gesellschaft,
Wirtschaft und Kultur. Im besonderen Maße ist hierbei von der
Erlebnis- und Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler
auszugehen, mit Alltags-, Mentalitäts- und Geschlechtergeschichte
als gleichberechtigte Zugänge.
Zeit und Themen:
Erst die Dimension der Zeit eröffnet den Zugang zum Verständnis
von Geschichte. Das lässt eine genetisch-chronologische
Betrachtungsweise sinnvoll erscheinen. Die Auswahl des Lehrstoffes
sollte thematisch in Längs- und Querschnitten erfolgen, unter
Berücksichtigung der Interessen und des Alters der Schülerinnen und
Schüler.
Universal - national - regional - lokal:
Der Unterricht soll Einblick in die Geschichte Europas und der
Welt sowie unter Berücksichtigung regionaler Entwicklungen in die
Geschichte Österreichs geben, um die Herausbildung einer
reflektierten Identität zu ermöglichen.
Gegenwartsbezug und politische Bildung:
Der Unterricht soll Einsichten in die Pluralität von politischen
Leitbildern und Institutionen vermitteln. Durch die Konfrontation
mit den Spannungsfeldern wie Ordnung - Freiheit, Herrschaft -
Mitbestimmung und Krieg - Frieden soll ein wichtiger Beitrag zur
Erziehung zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geleistet werden.
Ideologiekritische Haltung und Toleranz, Verständnisbereitschaft und
Friedenswille sind wichtige Voraussetzungen für politisches Handeln.
Einsichten und Haltungen:
Verstehen historischer Handlungsweisen aus der Zeit heraus und
Aufbau eines historischen Bewusstseins.
Gewinnen einer differenzierten Betrachtungsweise durch Begegnungen
mit dem räumlich und zeitlich Anderen.
Erklären gegenwärtiger wirtschaftlicher, gesellschaftlicher,
politischer und kultureller Phänomene aus der historischen
Entwicklung.
Bewusstmachen der vielfältigen Ursachen historischer Ereignisse
und der verschiedenen Möglichkeiten ihrer Deutung.
Schulung multiperspektivischer Betrachtungsweise als Bestandteil
eines kritischen politischen Bewusstseins.
Fertigkeiten und Techniken:
Orientierung in Zeit und Umwelt als Produkt menschlichen Wirkens -
Zuordnen können (vorher - nachher) - Entwicklung eines Zeitbegriffs.
Erwerben eines Begriffsinstrumentariums, um historische
Informationen aufnehmen und beurteilen zu können.
Selbstständiges Beschaffen, Aufnehmen und Bewerten von
Informationen.
Begründung und Vertretung eigener und Respektierung anderer
Positionen als Basis von Dialogfähigkeit.
Beitrag zu den Aufgabenbereichen der Schule:
Das Verstehen historischer Entwicklungen und Handlungsweisen
unterstützt die Begründung von Toleranz und gegenseitiger Achtung
und die Orientierung des eigenen Lebens an dauerhaften Werten und
Normen. Beiträge zur Entwicklung der Religionen verstärken die
Fähigkeit zu differenzierter Einschätzung von gesellschaftlichen und
kulturellen Phänomenen. Die ethischen Normen in ihrer historischen
und zeitgebundenen Ausprägung machen die Notwendigkeit persönlicher
Auseinandersetzung deutlich.
Beiträge zu den Bildungsbereichen:
Sprache und Kommunikation:
Arbeit mit (Quellen- und Autoren-)Texten, Interpretation und
Bewertung; Begriffsbildung und Anwendung; Sammeln und Anwenden von
Argumenten im Diskurs.
Natur und Technik:
Historische Beispiele zu Naturwissenschaft und Technik;
gesellschaftliche Folgen von technischen Innovationen;
Arbeit mit Statistiken; Interpretation von Diagrammen;
kritische Bewertung des naturwissenschaftlich-technischen
Fortschritts.
Kreativität und Gestaltung:
Rollenspiele zu historischen Themen; künstlerische
Gestaltungsmöglichkeiten zu historischen Themen (Grafik, Collage,
Plastik); kultur- und kunstgeschichtliche Einblicke.
Gesundheit und Bewegung:
Bewegungskultur in historischen Zusammenhängen; Auswirkung des
Ernährungs- und Hygienestandards; gesellschaftliche und politische
Funktion des Sports in verschiedenen Kulturen.
Mensch und Gesellschaft:
Die Ziele und Aufgaben des Geschichte- und Sozialkunde-Unterrichts
tragen in ihrer Gesamtheit zu diesem Bildungsbereich bei.
Didaktische Grundsätze:
Bei der Bearbeitung der Themen sind die Relevanz für die
zukünftige Lebenssituation, der exemplarische Charakter, der Beitrag
zur politischen Bildung, der regionale Aspekt und
fächerübergreifende Bezüge zu berücksichtigen.
Die Gliederung der Themen ist nach systematischen,
längsschnittförmigen und chronologischen Gesichtspunkten möglich.
Auf die chronologische und räumliche Verankerung der behandelten
Phänomene ist zu achten.
Die Fragestellungen sollen den Erfahrungen, Problemen und
Erkenntnisinteressen der Gegenwart entstammen. Historische
Sachverhalte dürfen aber nicht mit gegenwartsorientierten Kriterien
beurteilt werden, sondern müssen aus dem jeweiligen Kontext heraus
erklärt und verstanden werden.
Ein wichtiges Hilfsmittel ist der Vergleich. Die Ähnlichkeit
zwischen zwei Phänomenen verführt oft zur Gleichsetzung, und es ist
notwendig, die Unterschiede differenziert herauszuarbeiten. Auf
diese Weise soll ein kritisches historisches Bewusstsein entwickelt
werden.
Im Unterricht dienen die fachwissenschaftlichen Begriffe zur
Erfassung von historischen und sozialkundlichen Sachverhalten. Der
altersgemäßen Konkretisierung dieser Begriffe ist dabei besondere
Aufmerksamkeit zu schenken.
Es soll ein wichtiges Anliegen des Unterrichts sein,
Eigenständigkeit in der Analyse und Interpretation von Textquellen,
Bildern, Karten, Statistiken und Diagrammen zu entwickeln. Diese
methodischen Fähigkeiten stellen eine wichtige Voraussetzung für
politisch bewusstes Handeln dar. Dabei ist der Einsatz der neuen
Technologien empfehlenswert.
Historisches Lernen schließt immer eine multiperspektivische
Betrachtungsweise ein. Unterschiedliche Positionen können methodisch
ua. durch historische Rollenspiele nachvollzogen werden.
Einfühlungsvermögen und kritische Distanz sind für ein
demokratisches Engagement wertvoll. Der Einsatz verschiedener
Sozialformen soll dazu beitragen, Erkenntnisse individuell oder
gemeinschaftlich zu gewinnen. Die kommunikative Kompetenz soll durch
das Unterrichtsgespräch in seinen vielfältigen Formen gefördert
werden. Die Entwicklung einer Diskussionskultur, in der die Meinung
der anderen respektiert wird, ist anzustreben.
Historische Sachverhalte können auch vor Ort im Rahmen von
Lehrausgängen und durch Museums- und Ausstellungsbesuche vermittelt
werden. Der Einsatz von Medien und die Befragung von Zeitzeugen sind
wichtige Möglichkeiten, um Geschichte zu veranschaulichen. Das dafür
notwendige methodische Instrumentarium muss im Unterricht zugrunde
gelegt werden. Es sollen Möglichkeiten eröffnet werden, durch die
die Schülerinnen und Schüler in "freien Arbeitsphasen" und in
Projekten forschendes und entdeckendes Lernen praktizieren können.
Lehrstoff:
Kernbereich:
Menschliches Handeln vollzieht sich unter bestimmten
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen
Rahmenbedingungen und verändert diese ständig. Die Analyse der
einzelnen Faktoren und das Erkennen von deren Wechselwirkung sind
ein wesentliches Anliegen des Unterrichts. An konkreten historischen
Sachverhalten soll beispielhaft gezeigt werden, welche Probleme die
Menschen in verschiedenen Epochen und Räumen zu bewältigen hatten
und wie unterschiedlich oder ähnlich sie diese gelöst haben.
2. Klasse:
Der Unterricht soll Einblick geben in die Geschichte des
Zeitraumes vom ersten Auftreten der Menschen bis zum Ende des
Mittelalters.
Folgende Themenbereiche sind dabei zu behandeln:
- Die Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur und ihre
Auswirkungen auf die Organisation des menschlichen
Zusammenlebens.
- Das Leben des Menschen in verschiedenen Gemeinschaften und
Lebenswelten unter Berücksichtigung des Alltags und der
Geschlechterverhältnisse (Nomadentum, Bauern und Dorf,
ritterliches Leben und höfische Kultur).
- Arbeitswelt, Entwicklung der Arbeitsteilung und Formen des
Wirtschaftens (Naturalwirtschaft, Tauschwirtschaft,
Sklavenwirtschaft, mittelalterliche Grundherrschaft, Entstehung
des Marktes, Technikgeschichte).
- Entwicklung verschiedener politischer Herrschaftsformen unter
besonderer Berücksichtigung von verschiedenen Modellen
politischer Mitbestimmung (athenische Demokratie, römische
Republik, städtische Autonomie, Ständeversammlung im
Mittelalter).
- Soziale und militärische Konflikte, ihre Ursachen und
Lösungsversuche an ausgewählten Beispielen.
- Charakteristika früher Hochkulturen und der griechischen und
römischen Antike.
- Die Entwicklung von Weltbildern unter Einbeziehung von
magischen, mythischen und religiösen Vorstellungen (Entwicklung
des Christentums in Spätantike und Mittelalter, Islam).
- Grenzen und Räume - Besiedlung und Integration des
österreichischen Raumes bis zur Entwicklung einer politischen
Einheit unter den Babenbergern und Habsburgern.
- Kunst und Kultur als Ausdrucksform einer Epoche.
3. Klasse:
Der Unterricht soll Einblick geben in die Geschichte vom Beginn
der Neuzeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges.
Folgende Themenbereiche sind zu behandeln:
- Neue Perspektiven am Beginn der Neuzeit - ein neues Welt- und
Menschenbild (Humanismus und Renaissance).
- Begegnung und Konfrontation - Europa und die Welt von den
Entdeckungen bis zur europäischen Expansion im Zeitalter des
Imperialismus.
- Reform und Revolution als Antwort auf Defizite in Kirche und
Staat - von der Reformation über die Reformen Maria Theresias
und Josefs II. bis zur Französischen Revolution.
- Wirtschaft und Gesellschaft - verschiedene Formen des
Wirtschaftens und deren Auswirkungen auf die Arbeitswelt,
Freizeit, Familie und die Stellung der Frau (vom
Frühkapitalismus bis zur Industriellen Revolution).
- Entwicklung des modernen Staates - Absolutismus,
Verfassungsstaat und früher Parlamentarismus.
- Macht und Hegemonie: Die napoleonische Zeit und das europäische
Ordnungssystem am Wiener Kongress.
- Menschenrechte und das Problem ihrer Durchsetzung.
- Geschichte und Gesellschaft im Vergleich: Amerika und Asien.
- Herausbildung verschiedener politischer Ordnungskonzeptionen -
Liberalismus, Nationalismus, Sozialismus.
- Die Habsburgermonarchie als supranationales Gebilde - die
Probleme des Zusammenlebens verschiedener Völker in einem Staat.
- Staaten und Völker im Krieg - Kriegsursachen und
Friedensbemühungen in der Neuzeit bis zum Ersten Weltkrieg.
- Kunst und Kultur als Ausdruck des Lebensgefühls einer Epoche -
von der Renaissance über das Barock bis zum Jugendstil unter
Berücksichtigung der Alltagskultur.
4. Klasse:
Der Unterricht soll Einblick geben in die Geschichte vom Ende des
Ersten Weltkrieges bis zur Gegenwart.
Folgende Themenbereiche sind zu behandeln:
- Wirtschaft und Gesellschaft im 20. Jahrhundert - Veränderungen
in Arbeitswelt und Freizeit, Wirtschaftskrisen, Familie im
Wandel, neues Selbstverständnis der Frau.
- Demokratie und Diktatur in Europa - Krise der Demokratie,
Entstehung und Bedingungen diktatorischer Systeme, Methoden
totalitärer Herrschaft: Faschismus, Nationalsozialismus,
Kommunismus.
- Der Nationalsozialismus als Beispiel eines totalitären Systems -
Ideologie, Propaganda, Mobilisierung der Jugend, rassische
Verfolgung, organisierter Massenmord, Widerstand.
- Entwicklung und Krise der Demokratie in Österreich - Verfassung,
Parteien, Wehrverbände, autoritäres System, Bürgerkrieg,
NS-Zeit.
- Der Zweite Weltkrieg und die internationale Politik nach 1945 -
Kalter Krieg, Blockbildung und Entspannung, das Ende der
bipolaren Welt, die UNO.
- Die USA und die Sowjetunion - ein Vergleich verschiedener
politischer und gesellschaftlicher Systeme.
- Die Auflösung der Kolonialreiche und das Ende der europäischen
Hegemonie; Nord-Süd-Konflikte.
- Österreich - die Zweite Republik: politisches System,
wirtschaftliche Entwicklung, außenpolitische Orientierung,
Wirtschafts- und Sozialpolitik im Wandel, Möglichkeiten
politischer Mitbestimmung und Mitverantwortung.
- Europa und seine Integration.
Erweiterungsbereich:
Die Inhalte des Erweiterungsbereichs werden unter Berücksichtigung
der Bildungs- und Lehraufgabe sowie der Didaktischen Grundsätze
festgelegt (siehe den Abschnitt "Kern- und Erweiterungsbereich" im
dritten Teil).
Dies ist ein Service der

Österreichischen Professoren Union