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Übersicht Unterstufe
Allgemeiner Teil des Lehrplans
Bildungs- und Lehraufgabe:
Im Mittelpunkt von Geographie und Wirtschaftskunde steht der
Mensch. Seine Aktivitäten und Entscheidungen in allen
Lebensbereichen haben immer auch raumstrukturelle Grundlagen und
Auswirkungen. Diese räumlichen Aspekte menschlichen Handelns sind
Gegenstand des Unterrichts. Besonders thematisiert werden solche
Vernetzungen am Beispiel der Wirtschaft, deren allgemeine Grundlagen
zu erarbeiten sind. Es bieten sich vielfältige Ansätze
fächerverbindenden Arbeitens an. Neben der bewussten Wahrnehmung
wird die Beschreibung sowie die Erklärung von Sachverhalten,
Zusammenhängen und Entwicklungen des menschlichen Handelns
angestrebt. Geographie und Wirtschaftskunde soll Schülerinnen und
Schülern helfen, im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich
verantwortungsbewusst und tolerant zu handeln.
Im Geographie-und-Wirtschaftskunde-Unterricht der 1. bis 4. Klasse
wird angestrebt:
- Aufbau von Orientierungs- und Bezugssystemen mit Hilfe
fachbezogener Arbeitsmittel und Arbeitstechniken, um Wissen
selbstständig erwerben, einordnen und umsetzen zu können.
- Bewusstes Wahrnehmen der räumlichen Strukturiertheit der Umwelt.
- Einsichten in Vorgänge der Raumentwicklung gewinnen, um Fragen
der Raumnutzung und Raumordnung unter Beachtung von Ökonomie und
Ökologie zu verstehen.
- Einblick in unterschiedliche Wirtschafts- und
Gesellschaftssysteme gewinnen, um sich mit aktuellen und
zukünftigen politischen Fragen auseinander zu setzen sowie
demokratisch und tolerant handeln zu können.
- Die raumdifferenzierende Betrachtungsweise in anderen Bereichen
anwenden sowie Kenntnisse und Einsichten aus anderen
Unterrichtsgegenständen heranziehen können.
Beitrag zu den Aufgabenbereichen der Schule:
Verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt; Toleranz gegenüber dem
Anderen bzw. gegenüber Minderheiten; Bewertung ökonomischer
Fragestellungen unter ethischen und religiösen Gesichtspunkten.
Beiträge zu den Bildungsbereichen:
Sprache und Kommunikation:
Erwerb von Sprachkompetenz durch Auswertung von Texten, Bildern
und grafischen Darstellungsformen; Einbeziehung aktueller
Massenmedien; Entwicklung einer Diskussionskultur.
Mensch und Gesellschaft:
Erwerb von Urteils- und Kritikfähigkeit, Entscheidungs- und
Handlungskompetenz; Entwicklung von Toleranz gegenüber dem Anderen
bzw. gegenüber Minderheiten; Erkennen und Bewerten von Gegebenheiten
und Entwicklungen in der Arbeits- und Berufswelt; Bewertung
ökonomischer Fragestellungen unter ethischen Gesichtspunkten;
Einsicht in ökonomische Zusammenhänge; Aufbau eines Wertesystems zur
verantwortungsbewussten Gestaltung des Lebensraums.
Natur und Technik:
Erklärung der Entstehung von Naturvorgängen und ihrer Wirkung auf
Mensch und Umwelt; Beschreibung der Auswirkungen klimatischer
Veränderungen auf die Lebenswelt; verantwortungsvoller Umgang mit
der Umwelt; kritische Auseinandersetzung mit Statistiken, Wahrnehmen
von Manipulationsmöglichkeiten; Auseinandersetzung mit einfachen
Modellen.
Kreativität und Gestaltung:
Kreative Darstellung von Sachverhalten; Entwicklung der
Bereitschaft zur Mitwirkung an der Gestaltung der Umwelt.
Gesundheit und Bewegung:
Verwendung einschlägiger Orientierungshilfen; Erkennen des
Zusammenhangs zwischen Gesundheit und Umweltbedingungen; Erfassen
der zunehmenden Bedeutung der Freizeitgesellschaft; Erkennen der
kulturellen Differenzierung von Ernährungsgewohnheiten.
Didaktische Grundsätze:
In der 1. und 2. Klasse soll der Erwerb elementarer Begriffe,
Fertigkeiten und Einsichten anhand einfacher Sachverhalte angestrebt
werden. Dabei soll den Schülerinnen und Schülern die Vielfalt
menschlichen Lebens und Wirtschaftens auf der Erde bewusst werden.
In der 3. und 4. Klasse soll die Erweiterung und Vertiefung dieser
Qualifikationen erfolgen. Es sollen grundlegende Kenntnisse und
Einsichten über Österreich und Europa sowie Verständnis für
weltweite Fragestellungen angebahnt werden.
Geographische und wirtschaftskundliche Inhalte sollen im
Unterricht nicht nebeneinander stehend getrennt, sondern in starkem
Maße miteinander verflochten in vergleichender Darstellung aller
Kontinente unter möglichst häufiger Berücksichtigung Österreichs
behandelt werden.
Der Lehrplan sieht für jede Klasse mehrere Themenkreise vor. Diese
werden durch Zielstellungen näher bestimmt. Ihre Reihenfolge im
Lehrplan ist eine Grundlage für die Unterrichtsplanung, deren
Festlegung den Lehrerinnen und Lehrern obliegt.
Der Lehrstoff der 1. bis 4. Klasse ist nach thematischen
Schwerpunkten gegliedert. Im Unterricht sind drei leitende
Fragenbereiche immer wieder aufzugreifen:
Österreich wird in jeder Schulstufe behandelt, wobei das
Hauptgewicht in der 3. Klasse liegt. Neben einem soliden
topographischen Orientierungswissen ist eine Übersicht der
demographischen, sozialen, politischen und ökonomischen Strukturen
und Entwicklungstendenzen zu vermitteln sowie die Stellung des
Landes innerhalb Europas herauszuarbeiten.
Die Leitfrage Zentrum/Peripherie stellt den Problemkreis
regionaler Disparitäten in den Mittelpunkt, wobei von lebensweltlich
unmittelbar erfahrbaren Beispielen auszugehen ist. Kleinregionale,
nationale, europäische und globale Fragestellungen sind zu
berücksichtigen.
Das Wechselspiel zwischen Produktion und Konsum bzw. Angebot und
Nachfrage sowie ihr Zusammenwirken für die Preisbildung,
betriebswirtschaftliche und nationalökonomische Prozesse stehen im
Zentrum des Fragenbereichs Markt und Wirtschaftskreisläufe.
Die regionale Zuordnung der einzelnen Beispiele sowie die
zusammenfassende Darstellung auf jeder Schulstufe hat gemeinsam mit
topographischen Übungen den Aufbau eines erdumspannenden
topographischen Grundgerüsts zu sichern, das immer wieder
herangezogen und weiter verdichtet werden muss. Topographische
Begriffe sollen aber nie um ihrer selbst willen gelernt, sondern
immer mit bestimmten Sachverhalten bzw. Fragestellungen verbunden
werden.
Der Unterricht in Geographie und Wirtschaftskunde muss sich
regelmäßig der erreichbaren realen Umwelt zuwenden. In
Lehrausgängen, Wanderungen, Betriebserkundungen und ähnlichem sollen
die Schülerinnen und Schüler unmittelbar an der Wirklichkeit
räumliche und wirtschaftliche Situationen erleben. Viele Lerninhalte
sind einer unmittelbaren Begegnung jedoch nicht zugänglich. Deshalb
ist Geographie und Wirtschaftskunde auf die Verwendung
unterschiedlicher Medien angewiesen. Sie ermöglichen die wiederholte
Auseinandersetzung mit Lerninhalten und dienen der Objektivierung
und Zuordnung der Einzelbeobachtung. Die Verwendung elektronischer
Medien soll zur arbeitsorientierten Unterrichtsgestaltung
wesentliche Impulse beisteuern. Besonders zu fördern sind
Unterrichtsprojekte, da sie eine ganzheitliche Auseinandersetzung
mit komplexen Fragestellungen ermöglichen. Offene Lernformen sollen
eine Individualisierung und Autonomisierung des Lernprozesses
gewährleisten.
Lehrstoff:
Kernbereich:
1. und 2. Klasse:
Darstellung menschlichen Lebens und Wirtschaftens; Aufzeigen von
Gleichartigkeiten und Unterschieden. Grundlegende Einsicht, dass
Gesellschaft und Wirtschaft räumlich strukturiert sind.
Beispiele aus Österreich und Europa sollen in der 1. und 2. Klasse
vertreten sein, jeder außereuropäische Erdteil wenigstens einmal in
einer der beiden Klassen.
Ein Blick auf die Erde:
Erwerben grundlegender Informationen über die Erde mit Globus,
Karten, Atlas und Bildern.
Wie Menschen in unterschiedlichen Gebieten der Erde leben und
wirtschaften:
Erkennen, dass sich Menschen in ihren Lebens- und
Konsumgewohnheiten auf regionale und kulturelle Voraussetzungen
einstellen und dass die Lebensweise einem Wandel unterliegt.
Erkennen, wie einfache Wirtschaftsformen von Natur- und
Gesellschaftsbedingungen beeinflusst werden, und erfassen, dass
Menschen unterschiedliche, sich verändernde Techniken und
Produktionsweisen anwenden.
Erkennen, wie Menschen mit Naturgefahren umgehen.
Wie Menschen Rohstoffe und Energie gewinnen und nutzen:
Erkennen, wie Rohstoffe und Nutzenergie gewonnen und zu den
Verbraucherinnen und Verbrauchern gebracht werden.
Einsehen, dass Rohstoffe und Energieträger auf der Erde
ungleichmäßig verteilt und begrenzt vorhanden sind und dass ihre
Nutzung oft die Umwelt belastet.
Ein erster Überblick:
Regionale bzw. zonale Einordnung der im Unterricht durchgenommenen
Beispiele.
Erkennen der Grundstrukturen einfacher Wirtschaftsformen: von der
agrarisch dominierten Selbstversorgerwirtschaft zu arbeitsteiligen
Systemen.
Erfassen, dass es auf der Erde eine Regelhaftigkeit in der
Anordnung klimatischer Erscheinungen gibt.
Leben in Ballungsräumen:
Das Leben in Ballungsräumen und peripheren Räumen vergleichen.
Erfassen von Merkmalen, Aufgaben und Umweltproblemen in
Ballungsräumen. Erkennen der Vernetzung zwischen Kernstadt und
Umland.
Erwerben grundlegender Informationen über Städte mit Hilfe
kartographischer Darstellungen.
Gütererzeugung in gewerblichen und industriellen Betrieben:
Erkennen, dass unterschiedliche Gründe die Standortwahl für einen
Betrieb beeinflussen.
Erkennen, wie Güter in Betrieben verschiedener Art und Größe in
unterschiedlichen Organisationsformen erzeugt werden.
Erfassen der Auswirkungen von Betrieben und Produktionsprozessen
auf die Umwelt.
Verstehen, dass verschiedene Tätigkeiten in der Wirtschaft
unterschiedliche Kenntnisse und Fähigkeiten voraussetzen.
Der Dienstleistungsbereich:
Erkennen der Vielfalt des Dienstleistungsbereichs sowie
Verständnis für seine zunehmende Bedeutung im Wirtschaftsleben.
Erfassen der wirtschaftlichen Bedeutung von Freizeit und
Tourismus.
Erwerben grundlegender Informationen und Fertigkeiten für die
richtige Wahl von Verkehrsmitteln.
Erfassen, wie Regionen durch Verkehrseinrichtungen unterschiedlich
erschlossen und belastet werden.
Die Erde als Lebens- und Wirtschaftsraum des Menschen - eine
Zusammenschau:
Zusammenfassende Einordnung der bisher behandelten Beispiele in
Staaten, Landschaftsgürtel und Wirtschaftszonen der Erde.
Erkennen, dass die Verteilung der Bevölkerung auf der Erde
ungleichmäßig ist und dass es Gunst- und Ungunsträume gibt.
3. und 4. Klasse:
Vertiefende Kenntnisse und Einsichten über menschliches Leben und
Wirtschaften in Österreich, Europa und auf der Erde. Darstellung in
Einzelbildern und Übersichten. Besondere Berücksichtigung von
natürlicher und gestalteter Umwelt, Wirtschaft, Arbeitswelt und
Berufsfindung. Aufbau der Bereitschaft, sich aktuellen politischen,
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen zuzuwenden.
Weiterentwicklung topographischer Kenntnisse und methodischer
Zugänge zu deren Erwerb. Behandlung eines Fallbeispiels in
Projektform.
3. Klasse:
Lebensraum Österreich:
Anhand von unterschiedlichen Karten, Luft- und Satellitenbildern
die Eigenart österreichischer Landschaften erfassen.
Einige Ursachen und Folgen der Bevölkerungsverteilung und
-entwicklung erfassen.
Gestaltung des Lebensraums durch die Menschen:
Die Lebenssituation in zentralen und peripheren Gebieten
vergleichend erfassen.
Vergleichen unterschiedlicher Standortpotenziale zentraler und
peripherer Gebiete an den Beispielen Verkehr, Infrastruktur,
Versorgung und Umweltqualität.
Erfassen der Zusammenhänge von Wirtschaftsweise und Landnutzung.
Die Notwendigkeit der Raumordnung begreifen.
Einblicke in die Arbeitswelt:
Die Bedeutung der Berufswahl für die Lebensgestaltung erkennen und
erste Wege der Berufsfindung nutzen.
Den stetigen Wandel der Arbeitswelt erkennen und daraus die
Einsicht in die Notwendigkeit der ständigen Weiterbildung und
Mobilität gewinnen.
Erkennen, dass in der Wirtschaft unterschiedliche Interessen
aufeinander treffen und dass die Methoden des Interessenausgleichs
einem Wandel unterworfen sind.
Erfassen subjektiver und gesamtwirtschaftlicher Probleme der
Arbeitslosigkeit sowie nationaler und europäischer Lösungsansätze.
Wirtschaften im privaten Haushalt:
Erkennen der Notwendigkeit, im privaten Haushalt Ausgaben den
finanziellen Möglichkeiten entsprechend zu planen.
Erfassen von Möglichkeiten für die Wahrung von
Verbraucherinteressen in der Marktwirtschaft.
Erarbeiten der Vorteile und Herausforderungen einer gemeinsamen
europäischen Währung für die Verbraucherinnen und Verbraucher.
Volkswirtschaftliche Zusammenhänge: Österreich - Europa:
Erfassen grundlegender Zusammenhänge der Marktprozesse.
Erkennen der Aussagekraft wichtiger Kennzahlen zum Vergleich von
Volkswirtschaften.
An aktuellen Beispielen erkennen, wie die öffentliche Hand die
Wirtschaft beeinflusst und durch strukturpolitische Maßnahmen in
Zusammenarbeit mit der Europäischen Union Regionalförderung
betreibt.
Erkennen der weltweiten Verflechtung der österreichischen
Wirtschaft und ihrer Stellung in der Europäischen Wirtschafts- und
Währungsunion.
4. Klasse:
Gemeinsames Europa - vielfältiges Europa:
Die Vielfalt Europas - Landschaft, Kultur, Bevölkerung und
Wirtschaft - erfassen.
Informationen über ausgewählte Regionen und Staaten gezielt
sammeln und strukturiert auswerten.
Erkennen, dass manche Gegenwarts- und Zukunftsprobleme nur
überregional zu lösen sind, um damit die Bereitschaft zur
Auseinandersetzung mit gesamteuropäischen Fragen zu fördern.
Zentren und Peripherien in der Weltwirtschaft:
Die Bedeutung ausgewählter Staaten und Regionen für Weltpolitik
und Weltwirtschaft erkennen.
Entwicklungsunterschiede zwischen Regionen wahrnehmen und
Erklärungsansätze für deren Ursachen untersuchen.
Bereitschaft anbahnen, Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit zu
bewerten und zu unterstützen.
Leben in einer vielfältigen Welt:
Erfassen der kulturellen, sozialen und politischen Differenzierung
in unterschiedlichen Regionen der Erde.
Bereitschaft anbahnen, sich mit "dem Anderen" vorurteilsfrei
auseinander zu setzen.
Leben in der "Einen Welt" - Globalisierung:
Zunehmende Verflechtungen und Abhängigkeiten in der Weltwirtschaft
und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft erkennen.
Die Bedeutung der "neuen Mächtigen", wie multinationaler
Unternehmen, internationaler Organisationen und anderer "global
players", erfassen.
Die Verantwortung der Menschen für die "Eine Erde" erkennen.
Die Bedeutung weiterer Wege der Berufsfindung, der Aus- und
Weiterbildung unter dem Aspekt weltwirtschaftlicher und
technologischer Veränderungen erfassen.
Erweiterungsbereich:
Die Inhalte des Erweiterungsbereichs werden unter Berücksichtigung
der Bildungs- und Lehraufgabe sowie der Didaktischen Grundsätze
festgelegt (siehe den Abschnitt "Kern- und Erweiterungsbereich" im
dritten Teil).
Dies ist ein Service der

Österreichischen Professoren Union