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Anmerkung: Dieser Lehrplan tritt aufsteigend in Kraft:
Bis zum Inkrafttreten dieses Lehrplans gilt der alte Lehrplan.
Allgemeiner Teil des Lehrplans
Bildungs- und Lehraufgabe:
Der evangelische Religionsunterricht an der Schule ist doppelt
begründet: Einerseits im Verkündigungs- und Bildungsauftrag der
Kirche, andererseits im Erziehungs- und Bildungsauftrag der
öffentlichen Schule. Der Pflichtgegenstand Evangelische Religion
versteht sich als Angebot für Schüler und Schülerinnen. Durch die
kritische Auseinandersetzung mit religiösen und ethischen Themen
lernen sie Möglichkeiten der persönlichen Orientierung und
Sinnfindung, erproben ihre Fähigkeit zu Verständigung und Toleranz
und üben sich in Solidarität. Der evangelische Religionsunterricht
ist eine Chance für die Schule, denn er nimmt als eigenes Fach die
religiöse und ethische Dimension des umfassenden Bildungsauftrages
der Schule wahr. Der evangelische Religionsunterricht übernimmt die
Aufgabe, eine Begegnung mit der biblischen Verkündigung, wie sie in
der Heiligen Schrift und in den Bekenntnissen bezeugt wird, und eine
Begegnung mit dem Bildungsauftrag der Gesellschaft in einem
gegenseitigen kritischen Dialog herbeizuführen.
Für den evangelischen Religionsunterricht ergeben sich daraus als
Ziele, dass die Schüler und Schülerinnen:
a) sich selbst mit Stärken und Schwächen wahrnehmen und als
wertvoll annehmen können;
b) ihre Lebenswelten entdecken, kritisch erschließen und gestalten
lernen;
c) sich mit Erfahrungen, Lebensgestaltungen und Lebensentwürfen
anderer auseinander setzen;
d) mit hereinbrechenden existenziellen Fragen - wie zB Leid, Tod,
Schuld, Sinn - heilsam umgehen lernen;
e) sich der Herausforderungen und Anforderungen der gegenwärtigen
Welt bewusst werden, sie kritisch auf ihre Auswirkungen hin
befragen und Orientierung finden;
f) Gottesbildern auf die Spur kommen, sie in ihrer Vielfalt
wahrnehmen und zur Sprache bringen sowie einen eigenen Zugang
finden;
g) die Fülle der Ausdrucksformen des Glaubens kennen lernen,
erleben und gestalten;
h) sich als Teil einer Gemeinschaft verstehen, Verantwortung
wahrnehmen und Konfliktfähigkeit lernen, Respekt und
Wertschätzung innerhalb der Gemeinschaft und nach außen
entwickeln.
Diese acht Ziele bilden die Grundstruktur der Lernziele des
Kernbereichs.
Beitrag zum Aufgabenbereich der Schule:
Der evangelische Religionsunterricht leistet einen grundlegenden
Beitrag zur religiös-ethisch-philosophischen Bildungsdimension der
Schule, indem er die Schüler und Schülerinnen in ihrem Suchen nach
Sinn unterstützt. Neben der Entwicklung von Selbst- und
Sozialkompetenz und dem Erwerb von Kenntnissen kann der
Religionsunterricht insbesondere Orientierungen zur Lebensgestaltung
und Hilfen zur Bewältigung von Alltags- und Grenzsituationen im
privaten und schulischen Leben anbieten.
Beiträge des Unterrichtsgegenstandes "Evangelische Religion" zu den
Bildungsbereichen:
Sprache und Kommunikation:
Die heilende und schädliche Wirkung von Sprache wahrnehmen und
reflektieren
Religiöse Kommunikationsformen überprüfen und einüben
Eigene religiöse Sprachfähigkeit entwickeln
Biblische Texte in ihrer Mehrschichtigkeit begreifen
Literarische Texte in ihrer religiösen Dimension erschließen
Religiöser Sprache in der Medienkultur auf die Spur kommen
Mensch und Gesellschaft
Als Mann und Frau leben lernen
Sexualität als gute Gabe Gottes begreifen
Die Würde des Menschen auf Grund seiner Gottesebenbildlichkeit
bejahen
Konfliktfähigkeit einüben und Modelle der Versöhnung kennen lernen
Frieden und Gerechtigkeit als biblische Verheißung und als Auftrag
begreifen
Wirtschaft und Arbeitswelt unter sozialethischem Gesichtspunkt
betrachten
Menschen anderer Kulturen und Religionen in Weltoffenheit begegnen
Natur und Technik
Das Verhältnis von Glauben und Vernunft kritisch beleuchten
Chancen und Gefahren wissenschaftlicher Erkenntnisse bedenken
Technologien verantwortungsvoll nutzen
Flora und Fauna von ihrer Geschöpflichkeit, nicht nur von ihrer
Nutzbarkeit verstehen
Die Schöpfung bewahren
Kreativität und Gestaltung
Die eigenen kreativen Fähigkeiten bejahen und Wertschätzung
erfahren
Feste und Feiern gestalten
Ausdrucksformen persönlicher und gemeinschaftlicher Religiosität
finden
Bildende Kunst, Architektur, Musik, Film in ihrer religiösen
Dimension begreifen
Gesundheit und Bewegung
Den eigenen Körper annehmen und wertschätzen
Verantwortung für den eigenen Körper übernehmen
Einstellungen zu Krankheit und Leid in unserer Gesellschaft
kritisch beleuchten
Die Vergötzung des Schönen, Jungen und der körperlichen
Leistungsfähigkeit kritisch hinterfragen
Sport auf seine ethische Dimension hin befragen
Sucht und Sehnsucht in ihrer Spannung verstehen
Didaktische Grundsätze:
Für den Lernort "Evangelischer Religionsunterricht" gelten im
Speziellen folgende (nicht zwingend chronologische) Schritte:
1. Die Lebenswelten der Schüler und Schülerinnen, der Lehrer und
Lehrerinnen stehen mit ihrer Fülle und Widersprüchlichkeit im
Mittelpunkt.
- In ihnen werden Freude, Glück und Leid erlebt.
- In ihnen werden Fragen nach der Identitätsfindung in einer
sich rasch verändernden multikulturellen, multireligiösen und
(post-)modernen Umwelt gestellt.
Sie sind Ausgangspunkt und Ziel zugleich.
2. In einem gemeinsamen Lernprozess werden die Lebenserfahrungen
und Sinngebungsmodelle der Schüler und Schülerinnen, der Lehrer
und Lehrerinnen eingebracht und erschlossen.
3. Der Religionsunterricht begleitet, indem er sich in der
Pluralität der Sinngebungsmodelle mit der jüdisch-christlichen
Tradition und evangelischem Glauben auseinander setzt, die
Schüler und Schülerinnen in ihrer (religiösen) Entwicklung.
4. Diese Auseinandersetzung führt alle im Lernprozess Beteiligten
zu einem neuen, eigenverantwortlichen Umgang mit sich selbst,
zu einer offenen Haltung der Umwelt gegenüber und zum Dialog
mit Menschen, die anders sind als sie selbst.
Folgende fachspezifische Besonderheiten sind zu berücksichtigen:
- Die besondere Situation der unterschiedlichen
Religionsunterrichtsgruppen (Groß-/Kleingruppen, Anzahl der
Wochenstunden, mitunter jahrgangsübergreifend und
schulübergreifend, Stadt/Land, Diasporasituation, regionale
Besonderheiten);
- altersspezifische Veränderungen in den moralischen und
religiösen kognitiven Strukturen;
- Verbindung von Wissen, Bedeutungslernen, identifikatorischem
Lernen;
- Fragen von Dominanz-, Minderheiten- und Randgruppenkultur;
- interreligiöse und ökumenische Begegnung;
- Vielfalt der Methoden und Lernformen (zB narrative Kultur,
Gespräch, Stille, offene Lernphasen, Projekte, Lehrausgänge,
Feste).
Bei der Umsetzung des Kernbereiches ist in pädagogischer
Eigenverantwortung zu berücksichtigen, ob der evangelische
Religionsunterricht mit einer oder mit zwei Wochenstunden
eingerichtet ist.
Lehrstoff:
Kernbereich:
1. Klasse:
Schüler und Schülerinnen finden sich in einer neuen Umgebung mit
unterschiedlichen Erwartungen vor: Sie üben, sich selbst und die
anderen mit ihren Stärken und Schwächen wahrzunehmen, und erfahren
sich und die anderen als von Gott angenommen. (Siehe Bildungs- und
Lehraufgabe lit. a.)
Die Schüler und Schülerinnen leben in verschiedenen Welten, in
denen sie verschiedene Rollen einnehmen: Indem sie sich diese
bewusst machen, lernen sie sich zu orientieren und die Welt in ihrer
schöpferischen Vielfalt zu erkennen und bekommen so Mut, ihre
Lebenswelten aktiv zu gestalten. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe
lit. b.)
Bei einem Neubeginn ist manches spannend, manches auch
beängstigend: Anhand von biblischen und kirchengeschichtlichen
Weggeschichten können Schüler und Schülerinnen erfahren, dass Gott
treu ist und ihr Lebens- und Wegbegleiter sein möchte. (Siehe
Bildungs- und Lehraufgabe lit. c.)
Trennung und Verlust haben viele Schüler und Schülerinnen
erfahren: Im Religionsunterricht ist Raum, Fragen zu stellen und zu
thematisieren. Anhand von Beispielen aus Bibel und Kirchengeschichte
wird gemeinsam danach gesucht, welche Möglichkeiten es gibt, mit
Leiderfahrungen umzugehen. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. d.)
Die Schüler und Schülerinnen erfahren "Welt" in ihren natürlichen
Gegebenheiten und menschlichen Gestaltungen: Sie lernen
Herausforderungen und Anforderungen der Weltgestaltung auf
verschiedene Vorstellungen und Erzählungen von Anfang und Sinn der
Welt zu beziehen und erkennen die dadurch gegebene Verantwortung
gegenüber Umwelt und Mitmenschen. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe
lit. e.)
Von Gott wird mit vielen Namen und in unterschiedlichen
Situationen gesprochen: Schüler und Schülerinnen spüren in
Erzählungen und Situationen den Besonderheiten und Unterschieden in
den jeweiligen Gottesbildern nach und fragen nach ihrem eigenen
Gottesbild. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. f.)
Die Schüler und Schülerinnen kennen biblische Geschichten: Sie
entdecken das Buch der Bücher in seiner Vielfalt und lernen mit ihm
umzugehen. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. g.)
Schüler und Schülerinnen können und wollen das, was sie bewegt,
nicht nur bewusst reflektieren: Sie erfahren ihren Glauben zB mit
dem Singen von Liedern, mit Tänzen, mit Malen, mit Stilleübungen.
(Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. g.)
Schüler und Schülerinnen haben unterschiedlichste Erfahrungen mit
dem Beten: Sie formulieren eigene Gebete und begreifen das
Vaterunser als Ausdruck biblischen Glaubens. (Siehe Bildungs- und
Lehraufgabe lit. g.)
Schüler und Schülerinnen erleben, dass sich manche auf Kosten
anderer durchsetzen: Sie entwickeln Gruppenregeln und achten
gemeinsam auf deren Einhaltung. Sie begreifen die Zehn Gebote als
Regeln für ein gutes Zusammenleben. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe
lit. h.)
Schüler und Schülerinnen streiten immer wieder mit ihren
Geschwistern oder Freunden und Freundinnen: Sie entdecken, dass es
Gestalten der Bibel ähnlich erging und dass Streiten-Können wichtig
ist und Versöhnung mit einschließt. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe
lit. h.)
2. Klasse:
Die Schüler und Schülerinnen sehen, dass vor ihnen Menschen mit
unterschiedlichen Problemen, Ängsten, Sorgen und Freuden lebten: Wie
diese ihr Leben gestalteten und schwierige, auch ausweglose
Situationen bewältigten, regt dazu an, weiterzudenken und Lösungen
für eigene Probleme zu suchen. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe
lit. a.)
Die Welten, in denen Schüler und Schülerinnen sich bewegen,
fordern unterschiedliches Engagement: Sie hinterfragen diese und
können Mut und Einsatz von Mitläufertum unterscheiden. Am Beispiel
Jesu und an Beispielen des Urchristentums, aber auch anhand von
Lebensbildern aus Geschichte und Gegenwart werden sie zu mutigem und
diakonischem Handeln angeregt. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe
lit. b.)
Schüler und Schülerinnen sind neugierig darauf, wie Menschen
früher lebten: Sie lernen einzelne biblische Personen und
Geschichten in ihrer Zeit und Umwelt zu sehen. (Siehe Bildungs- und
Lehraufgabe lit. c.)
Schüler und Schülerinnen leben in einer ständigen
Auseinandersetzung zwischen Herrschen und Untergebensein: Sie
erkennen anhand von biblischen Gestalten und Geschichten Strukturen
der Macht und der Ohnmacht sowie deren Überwindung. (Siehe Bildungs-
und Lehraufgabe lit. c.)
Die Bedrohung des Lebens durch Schicksalsschläge und Katastrophen
wird den Schülern und Schülerinnen - vor allem durch die Medien -
erschreckend bewusst: Die Frage: "Warum lässt Gott das zu" drängt
sich auf und darf in aller Deutlichkeit besprochen werden. Biblische
Klagepsalmen und eigene Gebete bieten eine Möglichkeit, die Gefühle
auszudrücken und sich der eigenen Machtlosigkeit zu stellen.
Geschichten des "Trotzdem" ermutigen, auch ausweglose Situationen zu
bewältigen. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. d.)
Schüler und Schülerinnen leben in einer Welt, die durch Medien,
Werbung und Konsum geprägt ist: Sie lernen ihren eigenen Weg und
ihre eigene Überzeugung zu finden und die vielfältigen Angebote auf
ihren Gehalt zu prüfen. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. e.)
In Bildern und Symbolen zu sprechen ist Schülern und Schülerinnen
aus Träumen, Märchen, Fantasy usw. vertraut: Auch von Gott wird in
Bildern, Symbolen und Gleichnissen gesprochen. Die Schüler und
Schülerinnen werden für diese symbolische und übertragene Sprache
aufgeschlossen. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. f.)
Schüler und Schülerinnen erleben Feste und Feiern als Durchbrechen
des Alltags: Sie begreifen christliche, jüdische, muslimische Feste
als Ausdruck menschlicher Glaubenserfahrungen. Sie lernen, dass
Feste nicht von selbst gelingen, sondern der Gestaltung bedürfen.
(Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. g.)
Schüler und Schülerinnen treffen bei verschiedenen Gelegenheiten
auf behinderte Menschen: Sie stellen sich der eigenen Unsicherheit
im Umgang mit Behinderten und respektieren sie in ihrer
Besonderheit. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. h.)
Die Schüler und Schülerinnen erleben sich und andere als Teil von
Gruppen. Ihnen wird die verbindende Kraft von Gemeinschaften, die
auf Grund von Gemeinsamkeiten entsteht, bewusst: Als Alternative zu
der darin liegenden abgrenzenden und den anderen ausschließenden
Tendenz lernen sie Integration und Dialog kennen. (Siehe Bildungs-
und Lehraufgabe lit. h.)
3. Klasse:
Die Schüler und Schülerinnen sind es gewohnt, nach Leistung
beurteilt zu werden und zu beurteilen: Sie bedenken Leistung und
Arbeit, Gnade und Gerechtigkeit anhand von biblischen,
(kirchen-)geschichtlichen und heutigen Beispielen. (Siehe Bildungs-
und Lehraufgabe lit. a.)
Schüler und Schülerinnen übernehmen zunehmend mehr
Eigenverantwortung: Sie üben Grenzen zu setzen und mit Nähe und
Distanz umzugehen. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. b.)
Schüler und Schülerinnen sind in diesem Alter einem Wechselbad der
Gefühle ausgesetzt: Sie nehmen sich darin wahr und lernen sich zu
verstehen. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. b.)
Die Schüler und Schülerinnen fragen nach eigener religiöser
Identität: Erfahrungen mit dem Glauben in der eigenen Familie werden
mit Erfahrungen anderer Menschen aus der (lokalen und regionalen)
Kirchengeschichte in Verbindung gebracht. Die Schüler und
Schülerinnen verstehen, wie die Evangelischen in Österreich zur
Minderheit wurden und welche Bedeutung sie heute für die
Gesellschaft haben. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. c.)
Wozu bin ich gut?" "Wozu bin ich da?" "Welchen Sinn hat mein
Leben?" Diese Fragen stellen sich Schüler und Schülerinnen mit
zunehmendem Interesse und Betroffenheit in dieser Altersstufe: Sie
begreifen dieses Thema als ein genuin menschliches und überlegen -
ua. anhand von Beispielen aus Bibel und Kirchengeschichte -, wie sie
für sich Antworten finden. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. d.)
Die Schüler und Schülerinnen erfahren, dass das Zusammenleben von
Menschen durch Gewalt und Krieg bedroht ist: Sie erkennen Ursachen
und Wirkmechanismen und begreifen Modelle gewaltfreien Handelns als
gangbare Wege der Konfliktlösung. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe
lit. e.)
Von Gott wird in verschiedenen Religionen gesprochen: Die Schüler
und Schülerinnen lernen Gottesvorstellungen in verschiedenen
Religionen kennen und begegnen ihnen mit Achtung und Toleranz.
(Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. f.)
Schüler und Schülerinnen begegnen verschiedensten Sinnangeboten:
Sie setzen sich mit diesen und mit christlichen
Glaubensbekenntnissen auseinander und entwickeln ein eigenes
Glaubensbekenntnis. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. g.)
Eine Vielfalt von Stilen und Epochen ist typisch für die Welt, die
die Schüler und Schülerinnen umgibt: Sie verstehen Malerei und
Architektur in ihrer religiösen Dimension. (Siehe Bildungs- und
Lehraufgabe lit. g.)
Schüler und Schülerinnen beobachten in ihrer eigenen Umgebung, wie
Einzelne oder Gruppen zu Sündenböcken gemacht werden: Sie
hinterfragen kritisch die eigenen und gesellschaftlichen Tendenzen,
das Böse auf andere abzuwälzen und lernen, Feindbilder inhaltlich zu
differenzieren. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. h.)
Schüler und Schülerinnen bemerken, dass sprachliche, nationale,
kulturelle Unterschiede zu Problemen führen können: Sie erleben, wie
das Miteinander verschiedener Menschen zu Chance und Bereicherung
werden kann. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. h.)
4. Klasse:
Schüler und Schülerinnen sind in dieser Altersstufe mit drängenden
persönlichen Fragen konfrontiert: Wo liegen meine Begabungen und
Fähigkeiten? Wie kann ich mit meinen (vermeintlichen) Schwächen und
Besonderheiten umgehen lernen? Wie werden sich diese auf meinen
weiteren Lebensweg auswirken? Diesen Fragen wird im
Religionsunterricht Raum gegeben. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe
lit. a.)
Freundschaft, Partnerschaft und Sexualität spielen eine große
Rolle: Schüler und Schülerinnen setzen sich mit traditionellen
Rollenbildern und mit den unterschiedlichen Familien- und
Partnerschaftsstrukturen, die sie erleben, auseinander. Sie
überlegen, wie sie Freund- und Partnerschaften verantwortlich
gestalten können. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. b.)
Schüler und Schülerinnen haben Sehnsucht nach Extremerfahrungen
und Entgrenzung: Sie setzen sich mit Gewinn und Gefahren kritisch
auseinander und überlegen, wie Alltag und Ausnahmesituationen
aufeinander zu beziehen sind. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit.
c.)
Schüler und Schülerinnen empfinden es oft als selbstverständlich,
dass ihr Leben gleichförmig weiterläuft: Dagegen stehen die
Erfahrungen von Menschen, die Krisen durchlaufen haben, von Neuem
ergriffen wurden und große Veränderungen durchlebten. Schüler und
Schülerinnen begreifen, dass Lebenswege nicht notwendigerweise
gerade verlaufen und dass Neuentdeckungen und Neuanfänge möglich
sind. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. c.)
Schuldgefühle werden von Schülern und Schülerinnen teilweise sehr
tief empfunden; andererseits beschuldigen sie vielfach andere, um
sich selbst zu entschuldigen: Dass die Erfahrung schuldig zu werden,
Schuld einzugestehen und Vergebung zu erleben ein Leben in
Eigenverantwortung ermöglicht, entdecken Schüler und Schülerinnen
anhand von ausgewählten biblischen und kirchengeschichtlichen
Biografien. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. d.)
Die Schüler und Schülerinnen erleben Regeln und Ordnungen in
verschiedenen sozialen Bereichen: An Beispielen erkennen sie die
lebensförderlichen und lebenshemmenden Aspekte von Normen, lernen
Geltungsansprüche kritisch zu hinterfragen und bedenken alternative
Handlungsmodelle. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. e.)
Schüler und Schülerinnen spüren Ungerechtigkeiten in Wirtschaft
und Politik: Sie lernen die Verkündigung der Propheten sowie die
positive und kritische Dimension des Evangeliums im
gesellschaftspolitischen Kontext kennen und reflektieren. Sie
überlegen, welche Möglichkeiten Kirchen und andere Organisationen
anbieten und welcher Spielraum ihnen selbst gegeben ist, Frieden,
Solidarität und Gerechtigkeit zu leben. (Siehe Bildungs- und
Lehraufgabe lit. e.)
Die Rede von Gott ist umstritten: Die Schüler und Schülerinnen
beziehen die christlichen Gottesvorstellungen auf verschiedene
Wirklichkeitsverständnisse, machen ein eigenes Verständnis deutlich
und können es vertreten. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. f.)
Musik hat für Schüler und Schülerinnen einen hohen Stellenwert:
Sie begreifen Musik auch in ihrer religiösen Dimension. (Siehe
Bildungs- und Lehraufgabe lit. g.)
Die Schüler und Schülerinnen erleben in ihrer Umgebung
unterschiedliche Formen von Religion, die Gefahren in sich bergen:
Anhand von fundierter Information lernen sie sich hiermit kritisch
auseinander zu setzen. (Siehe Bildungs- und Lehraufgabe lit. g.)
Schüler und Schülerinnen erfahren sich in ihrem Evangelischsein
als Minderheit: Sie begreifen andere Kirchen als ebenbürtige Teile
der christlichen Ökumene und üben die respektvolle Begegnung. (Siehe
Bildungs- und Lehraufgabe lit. h.)
Erweiterungsbereich:
Die Inhalte des Erweiterungsbereiches werden unter
Berücksichtigung der Bildungs- und Lehraufgabe sowie der
Didaktischen Grundsätze festgelegt.
Dies ist ein Service der

Österreichischen Professoren Union