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Übersicht Unterstufe
Allgemeiner Teil des Lehrplans
Bildungs- und Lehraufgabe:
Berufsorientierung findet viele Ansatzpunkte in den anderen
Unterrichtsgegenständen, verfolgt jedoch darüber hinausgehende,
eigenständige Ziele.
Der Unterricht in Berufsorientierung strebt die
Entscheidungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler an und soll zwei
Hauptkomponenten integrieren: Ichstärke (Selbstkompetenz) und Wissen
um die bzw. Auseinandersetzung mit der Berufswelt (Sach- und
Methodenkompetenz). Sozialkompetenz gewinnt steigende Bedeutung in
der Berufswelt: Sie soll sowohl Gegenstand der Untersuchung als auch
der Einübung im Rahmen der Berufsorientierung sein.
Somit soll ein wesentlicher Beitrag zur Persönlichkeitsbildung der
Schülerinnen und Schüler geleistet werden. Die Entwicklung und
Stärkung von Hoffnung, Wille, Entscheidungsfähigkeit,
Zielstrebigkeit, Tüchtigkeit, Leistungsbereitschaft,
Durchhaltevermögen und Beziehungsfähigkeit soll dabei im Mittelpunkt
stehen.
Berufsorientierung bietet auch Gelegenheit, traditionelle
Einstellungen und Vorurteile im Hinblick auf Berufs- und
Bildungswege zu überprüfen, und zielt darauf ab, den Raum möglicher
Berufs- und Bildungsentscheidungen, insbesondere für Schülerinnen,
zu erweitern.
Beiträge zu den Bildungsbereichen:
Sprache und Kommunikation:
Schulung des präzisen Sprachgebrauches; Gewinnung von und
kritische Auseinandersetzung mit bildungs- und berufsrelevanten
Informationen.
Mensch und Gesellschaft:
Arbeits- und Berufswelt unter kulturellen, wirtschaftlichen,
sozialen und ökologischen Gesichtspunkten kennen lernen.
Natur und Technik:
Auswirkung neuer Technologien in den verschiedenen Berufs- und
Lebensbereichen.
Kreativität und Gestaltung:
Bedeutung von Kunst und Kreativität für Freizeit und Arbeitsleben.
Gesundheit und Bewegung:
Dimensionen der Gesundheit als Faktor in Arbeit und Beruf.
Didaktische Grundsätze:
Der Unterricht soll die Tatsache berücksichtigen, dass
Berufsorientierung prozesshaften Charakter hat. Er soll die Berufs-
und Bildungswahl einleiten, begleiten und zur selbstständigen
Berufs- und Bildungswahlentscheidung hinführen. Dabei ist auf
berufsorientierende Inhalte anderer Unterrichtsgegenstände, auch
früherer Schulstufen, Bezug zu nehmen.
Die Beiträge der Berufsorientierung zur Persönlichkeitsbildung
bedingen eine besondere Art der Unterrichtsgestaltung:
anschauliches, unmittelbares Erleben und Selbsttätigkeit sind dafür
Voraussetzung.
Für die Umsetzung im Unterricht bieten sich an: Klassengespräche,
Rollenspiele, Gruppenarbeit, selbstständige Einzelarbeit, personale
Begegnungen, Realbegegnungen. Realbegegnungen bieten eine breite
Palette von Möglichkeiten: Schul-, Betriebs- und Berufserkundungen,
Berufspraktische Tage, Besuch von Berufsinformationsmessen usw. Sie
erfordern eine fundierte Vor- und Nachbereitung mit den Schülerinnen
und Schülern und intensive Kooperation zwischen den Schulen und
Betrieben. Bei der Terminisierung ist auf den Gesamtablauf des
Berufsorientierungsprozesses zu achten.
Es ist darauf Bedacht zu nehmen, dass Entscheidungen der Bildungs-
und Berufsplanung persönliche Entscheidungen sind und häufig im
Kreis der Familie oder in Einzelberatungen stattfinden. Sie können
daher im Unterricht nur vorbereitet werden. Die zielgerichtete
Inanspruchnahme von außerschulischen Beratungseinrichtungen durch
die Schülerinnen und Schüler ist zu fördern.
Lehrstoff:
Kernbereich:
Im Folgenden werden die Lernziele der Berufsorientierung angeführt
- sie sind jedenfalls zu gewährleisten. Die aufgezählten
Themenbereiche zeigen einen Weg zur Umsetzung.
Die Berufsorientierung soll dazu führen, dass die Schülerinnen und
Schüler
- die eigenen Wünsche, Interessen und Neigungen entdecken,
erforschen und hinterfragen lernen sowie Begabungen und
Fähigkeiten wahrnehmen können, um persönliche Erwartungen
reflektieren und einschätzen zu lernen (3. und 4. Klasse):
Erfahrungen mit Tätigkeiten, in denen Fähigkeiten angesprochen
werden (kognitive, affektive, psychomotorische),
Auseinandersetzung mit Berufsbiographien, kulturelle
Thematisierung von Arbeit (Dichtung, Musik, Werkzeug, Kleidung,
Sozialformen, ...) (3. und 4. Klasse);
persönliche Lebens- und Berufsplanung kritisch reflektieren und
überprüfen (Präkonzepte, eigenes Rollenverständnis,
geschlechtsspezifische Sozialisation, ...) (3. Klasse);
Selbstreflexion in Bezug auf Interessen, Neigungen, Fähigkeiten
aus den verschiedenen Lebensbereichen (Freizeit, Schule, ...)
und Verknüpfung mit der Berufswahl (3. Klasse);
Veränderbarkeit des Berufswunsches, Berufswunschverlauf (3. und
4. Klasse);
Anforderungsprofile für berufliche Tätigkeiten und Ausbildungen
(3. und 4. Klasse);
Berufswunsch und Realisierbarkeit im Wirkungsgefüge von zB
Eltern, Freundinnen und Freunden, Wirtschaft und Gesellschaft
(4. Klasse).
- Arbeit in ihrer vielfältigen Bedeutung und Form als
Elementarfaktor für die Menschen und ihren Lebensraum erkennen
und ihr einen persönlichen Stellenwert zuordnen können (3. und
4. Klasse):
Arbeit im unmittelbaren Erlebnisbereich der Schülerinnen und
Schüler (3. und 4. Klasse);
eigene und die Erfahrung anderer mit Arbeit (3. und 4. Klasse);
Vergleich von Arbeit in verschiedenen Lebens- und
Wirtschaftsräumen; Weltwirtschaft und globale Entwicklungen,
volkswirtschaftliche Zusammenhänge (Lohn- und Preisentwicklung,
Wirtschafts- und Sozialpolitik), europäische Entwicklungen
(4. Klasse);
die vielfältigen Formen von Arbeit, zB: unbezahlte Arbeit
(Hausarbeit, Arbeit für Gemeinschaft und Familie, informeller
Sektor) - Erwerbsarbeit, selbstbestimmte Arbeit - fremdbestimmte
Arbeit (3. Klasse);
Arbeit und Gesundheit, Arbeitsbedingungen und
Gesundheitssicherung (4. Klasse).
- durch Auseinandersetzung mit der Problematik der
geschlechtsspezifischen Konzentration auf bestimmte
Ausbildungswege und des nach Geschlechtern geteilten
Arbeitsmarkts die daraus resultierenden Konsequenzen für die
weitere Lebens- und Berufslaufbahn einschätzen lernen (3. und
4. Klasse):
Stärkung des Selbstwertgefühls, insbesondere von Mädchen,
hinsichtlich der Eignung für ein breites Ausbildungs- und
Berufsspektrum (3. und 4. Klasse);
Doppelbelastung von berufstätigen Frauen und Lösungsansätze (3.
und 4. Klasse);
Partnerschaft und Aufgabenteilung in Familie, Ehe und
Lebensgemeinschaften (3. und 4. Klasse);
Rollenverständnis (biologische Rolle, soziale Rolle,
Berufsrolle) von Mädchen und Frauen, Knaben und Männern (3. und
4. Klasse);
gesetzliche Grundlagen, zB Ehegesetz, Gleichbehandlungsgesetz
usw. (3. Klasse);
Bezahlung, Aufstiegsmöglichkeiten, Wiedereinstiegsproblematik,
Teilzeitbeschäftigung, Weiterbildungschancen (4. Klasse).
- Eltern, Funktion der Erziehungsberechtigten als wesentliche
Entscheidungsträger einbeziehen (3. und 4. Klasse):
Reflexion der eigenen Entscheidungsmöglichkeiten innerhalb der
Familie (3. und 4. Klasse);
Erschließung von Eltern, Verwandten, Freunden und Freundinnen
als Quelle der Unterstützung (4. Klasse).
- aktuelle Formen sowie die Veränderbarkeit von Arbeit und Berufen
erkennen, Entwicklungen einschätzen lernen und eine persönliche
Strategie für die eigene Berufs- und Lebensplanung aufbauen
können (3. und 4. Klasse):
Veränderungen und Weiterentwicklung von Arbeit und Berufen unter
historischen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen,
ergonomischen und ökologischen Aspekten (3. Klasse);
Auswirkungen neuer Technologien auf die verschiedenen Berufs-
und Lebensbereiche im Zusammenhang mit Arbeit erforschen
(3. Klasse);
Arbeitslosigkeit als strukturelles Phänomen - mögliche
persönliche Strategien und Fördermaßnahmen am Arbeitsmarkt
(4. Klasse);
Interessenvertretungen und Grundlagen des Arbeits- und
Sozialrechts (4. Klasse);
Basisqualifikationen als Ausgangspunkt für Spezialisierungen und
Weiterbildungsmöglichkeiten (4. Klasse);
steigende Bedeutung von sozialen Kompetenzen (Kommunikations-
und Kooperationsfähigkeit, Tragen von Verantwortung usw.) im
Berufs- und Wirtschaftsleben (4. Klasse).
- sich in den verschiedenen Berufsbereichen zurecht finden lernen,
Charakteristika erkennen und nach eigenem Interesse vertiefte
Einblicke in ausgewählte Berufe gewinnen (3. und 4. Klasse):
Berufe nach bestimmten Kriterien Berufsfeldern zuordnen (3. und
4. Klasse);
persönlich ausgewählte Berufe und Arbeitsbereiche erkunden,
Erkenntnisse ableiten und mit persönlichen Einstellungen und
Haltungen in Zusammenhang bringen (3. Klasse);
die Arbeits- und Berufswelt erfahren, Realbegegnungen (3. und
4. Klasse);
selbstständiges Einholen und kritisches Auseinandersetzen mit
berufsrelevanten Informationen (3. und 4. Klasse).
- Erwartungshaltungen und Beeinflussungen von außen wahrnehmen,
ergründen und in ihrer Wirkung einschätzen lernen (3. und
4. Klasse):
äußere Einflüsse auf die Entwicklung des Berufswunsches
(3. Klasse);
geschlechtsspezifische Vorurteile (Rollenbilder,
geschlechtsspezifische Arbeitsteilung usw.) (3. Klasse);
Lebens- und Berufsbiographien (3. Klasse);
Statistiken und Datenmaterial zu beruflichen Positionen,
Einkommenshöhen, Arbeitsplatz- und Ausbildungsangebot usw.
(4. Klasse).
- die vielfältigen Ausbildungswege in Österreich mit ihren
besonderen Anforderungen und Bildungsabschlüssen
charakterisieren können sowie über Eintritts- und
Übertrittsprobleme Bescheid wissen, um einen für sie richtigen
Ausbildungsweg zu finden und sich darauf vorbereiten zu können
(3. Klasse/2. Semester und 4. Klasse/1. Semester):
Angebotsprofile und Eingangsvoraussetzungen der weiterführenden
Schulen bzw. Schulstufen sowie der Lehre, Inhalte und Abschlüsse
(3. Klasse);
Aufnahmeverfahren der Schulen und Betriebe, zB Tests,
Bewerbungen (4. Klasse);
Kombination von Theorie und Praxis in den Ausbildungswegen
(4. Klasse);
Schulabbruch und daraus resultierende Konsequenzen (4. Klasse);
Bildungsabschlüsse und Berufschancen (3. Klasse);
Umstiegsmöglichkeiten und Anrechenbarkeiten, Zugangsbedingungen
in weitere aufbauende Ausbildungen (Kolleg, Fachhochschule, ...)
exemplarisch kennenlernen (4. Klasse);
Notwendigkeit und Angebote lebensbegleitender Weiterbildung
(3. Klasse).
- Beratungseinrichtungen, die Hilfe für die Planung der
beruflichen Ausbildung anbieten, kennen lernen und das Angebot
für sich nutzen können (4. Klasse):
Schülerberatung, Schulpsychologie; Arbeitsmarktservice,
Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer; Projekte, Förderprogramme;
sonstige Beratungs- und Informationsquellen.
- schwierige berufliche Situationen für bestimmte Gruppen
erkennen, Zusammenhänge und mögliche Gründe dafür überlegen,
Veränderungsmöglichkeiten aufzeigen und diskutieren können
(4. Klasse):
Berufsbiographien (zB Ausländer/innen, Behinderte, ältere
Arbeitnehmer/innen);
gesetzliche Bestimmungen, zB Ausländerbeschäftigungsgesetz,
Behinderteneinstellgesetz;
Förderung des Integrationsgedankens.
Erweiterungsbereich:
Die Inhalte des Erweiterungsbereichs werden unter Berücksichtigung
der Bildungs- und Lehraufgabe sowie der Didaktischen Grundsätze
festgelegt (siehe den Abschnitt "Kern- und Erweiterungsbereich" im
dritten Teil).
Dies ist ein Service der

Österreichischen Professoren Union